Wikipesen

Wikipesen ist ein Kunstkofferwort, bestehend aus “Wikipedia” und “Pesen”, bedeutet demnach “rasch von Hyperlink zu Hyperlink zu hangeln.

Heute, am 25. Februar 2012, beginne ich auf der Hauptseite:

Schon gewusst? …

… Auf der Elbe schwimmt ein rosa Krokodil – unüberhörbar von einer immensen Spielfreude getragen“. …

… 1973 formierte sich das Quartett Synopsis, das zuerst beim Jazz Jamboree in Warschau auftrat. Bereits …

Jazz Jamboree – ich war dort!

Mitte der Siebziger, vor meiner Armeezeit, fuhr ich mit einem Kumpel, der sich, anders als ich, immer mehr für Jazz interessierte als für “unsere” Musik, der mich aber dennoch als Reisebegleiter anwarb, visafrei nach Warschau. Nur wir beide und nur mit unseren kleinen, blauen DDR-Ausweisbüchlein. ”Zloty brauchen wir nicht mitzunehmen”, wusste mein Kumpel, “Geld tauschen wir in Warschau günstiger. Schwarz.” – er kannte sich aus.

Er glaubte, sich auszukennen.

Andere waren zur selben Zeit am selben Ort (http://www.thueringen.de/imperia/md/content/lzt/wallfahrtsgeschichten.pdf):

Warszawa Centralna, im Morgengrauen. Plärrendes Bahnhofspolnisch, Kälte, bleierne Glieder, aber was vermochte Erschöpfung gegen die Freude? Zum ersten Male spürte ich den Glücks- und Freiheitsschauer, der nun alle Jahre wieder die Jamboree-Ankunft begleiten würde. Der erste Suchblick: Wo hängt ein Festival-Plakat? Wer in Warschau spielen würde, war uns zuvor nicht bekannt, wobei von Jahr zu Jahr ein Wunschtraum wuchs: Miles Davis möge kommen.

Dies lesend sind die Tage aus dem Oktober 1976 wieder da. Zurück aus dem Langzeitgedächtnis, vorgelegt zur Nachbereitung. Wir – Micha und ich – stehen also auf einem Perron des Warschauer Hauptbahnhofes. Es ist saukalt, wir haben Hunger, vor allem aber KAFFEEdurst und niemand der Eingeborenen will Geld tauschen.

Theaterfachmann und Jazz-Organisator Martin Linzer erinnert sich: „War in Warschau schon das Theater in den Siebzigern außergewöhnlich, so war die Stadt während der Jazz Jamboree ein quasi exterritorialer Ort fast rauschhaften Genusses oder ein Land Utopia innerhalb des sozialistischen Lagers.“

Allein aus der DDR pilgerten jedes Jahr über achthundert Jazzfans nach Warschau.

Wieder habe ich ein längst vermöhltes Lebensbausteinchen entdeckt. Ja,ja – sowarsgewesen! Damals, im Osten. Hoffentlich habe ich bald Gelegenheit, alles aufzuschreiben. Ach und – ist das Folgende nicht von Wilhelm Busch?

Wenn er sich am Lebensabend
Erinnert an des Lebens Mai
So sagt er dann, mit Wohlbehagen:
“Ich war dabei!”

Wenn es funktioniert, ist Gedächtnis eine prima Erfindung.


Traumhochzeit und Scheidung

Das Schicksal hat es so gewollt.

Wäre dies hier ein Drehbuch, der Rezipienten Kommentar wäre wohl: “Gibt’s ja gar nicht!” oder “An den Haaren herbei gezogen!”

Doch es stimmt: Yin und Yang sitzen nebeneinander. Links, aus Sicht des Teamleiters, sitzt das kleinbrüstige Mädel mit hübschem Gesicht, die sich derzeit auf ihre anstehende Hochzeit freut und rechts daneben eine Dame, die vor allem darauf wartet, nun - endlich! - geschieden zu werden. Und – witzig-witzig – die reziproken Termine werden wohl in der selben Woche liegen.

Was Grund für Tipps und unerwünschte Ratschläge ist. Jeder weitere Teilnehmer kennt -zig Beispiele für Pausenschwatz.

“Bei meiner Schwester war das so … “

“Glücklich wird man frühestens nach der ersten Scheidung” und “jeder Mensch braucht zum wirklichen Glück eine gewisse soziale Erfahrung, die leider nicht trainiert werden kann, sondern erst einmal gelebt werden muss”, denke ich in die eine Richtung, “es liegt nie an dem Partner – es ist objektiv” in die andere.

Doch ich schweige.

Beide brauchen wohl solche Hinweise nicht, Frauen wollen immer erst ihren Gefühlen nachgehen. So kann ich in Ruhe mein Hirn nach abgelegten Sprüchen scannen.

“Die Traumhochzeit ist die Mutter des Albtraums”

Andere Sprüche drängen sich ebenfalls auf. Denke nun: Welch sonderbares Ding ist doch der Mensch – Kaum sieht dieser sich von irgendwelchen temporären Gefühlen überwältigt, versucht er auch schon, diese zu institutionalisieren, sie in eine Kiste zu packen, in den Hamsterbau – sich also vertraglich zu binden, Glück zu fixieren. Füller, Unterschrift, Musik und Suff – ERLEDIGT. ABGEHAKT.

“…bis dass der Tod uns scheide” *)

Nichts anderes ist Ehe als ein Vertrag, geschlossen von Krämerseelen für eine Ewigkeit, die es nicht geben kann. Ich sehe die Glückliche und schon tut sie mir leid.

* * *

*) Bei der hierzu passenden Anekdote, ist mir leider die Quelle verloren gegangen. Andererseits könnte natürlich auch sein, dass sie mir einfiel. Oder Mir – meinem Unterbewusstsein. Jedenfalls – erzählt man sich – gibt es irgendwo an einem Familiengericht einen Richter, der sich vor Terminen nicht retten kann. Von überall aus dem Lande treffen tagtäglich Paare ein, sich von ihm – und nur von ihm! – scheiden zu lassen.

Des Richters Name ist Tod – Richter Tod – oder A. Tod, wie im zugehörigen Telefonbuch vermerkt.


Der Liter Super kostet heute 1,679 Euro

Deutschlandweit im Durchschnitt.

Weil – so hört man aus den Gazetten – der Iran an Frankreich und England kein Rohöl zu liefern bereit ist. So müssen natürlich auch in Berlin bei Potsdam die Benzinpreise steigen. Präventiv. Es könnte schließlich sein, dass das Öl weltweit so knapp werden könnte, dass die Preise dann ohnehin steigen müssen. Gut ist also, dass sich jeder KFZ-User bereits vorher an die neue Preise gewöhnt, die ohnehin kommen müssen. Wenn also – salopp formuliert – alle potenziellen Tankstellennutzer bereits abgehärtet sind.

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb jeder Benzinpreis steigen muss – jeder kann sich was aussuchen:

Die Leute sparen – der Benzinpreis steigt.

Der Minderverbrauch sorgt nämlich dafür, dass die Raffinerien weit unterhalb ihrer Kapazität produzieren müssen. Dies erhöht den Einheitspreis (Kosten pro Liter), den in einer Marktwirtschaft die Konsumenten zu tragen haben.

Die Leute sparen nicht - der Benzinpreis steigt.

Die Ölgesellschaften erfüllen eine lebenswichtige Funktion in der Sozialen Martkwirtschaft. Durch zukunftsorientierte Preiserhöhungen wirken sie einer noch größeren Abhängigkeit vom Erdöl entgegen.

Dollarkurs steigt – der Benzinpreis steigt.

Alle Erdöl-Kontakte werden in Dollar abgerechnet. Die Konsequenzen für den Preis in Euro liegen also auf der Hand. In einer freien Marktwirtschaft wirken sich alle Änderungen sehr schnell aus.

Dollarkurs sinkt - der Benzinpreis steigt.

Längst nicht alle Abschlüsse weden auf dem Rotterdamer Spotmarkt in Dollar abgewickelt. Und im Übrigen dauert es natürlich immer eine gewisse Zeit, bis Änderungen beim Verbraucher ankommen.

Die Lager sind voll oder leer, OPEC-Länder drosseln oder steigern die Produktion, Krieg oder Frieden im Nahen Osten, Konzerne fusionieren oder fusionieren nicht, ein Ölfeld ist leergepumpt oder muss erschlossen werden, Konzerngewinne sind gestiegen oder nicht … – “Jede Menge Programme und jeder kann sich eins aussuchen.” (Tucholski)

Bei aller “Information” wird oft die kleine unbedeutende Ökosteuer gern vergessen. Denn – wir Alten erinnern uns noch – mit dem “Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform” vom 24. März 1999 (BGBl. I S. 378) wurde als neue Verbrauchssteuer eine Stromsteuer eingeführt, derweil die Mineralölsteuer nach ökologischen Kriterien gestaffelt ward. Dem folgte wenig später das “Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform” vom 16. Dezember 1999 (BGBl. I S. 2432).

Nun werden von Amts wegen manche Zwecke begünstigt, andere (wie etwa Kraftstoffe) verteuert. Und nahezu geräuschlos – der Wutbürger hat oft andere Sorgen – wurde von 1999 bis 2003 diese Steuer mehrmals erhöht.

Inzwischen gilt das “Gesetz zur Fortentwicklung der ökologischen Steuerreform” vom 23. Dezember 2002 (BGBl. I S. 4602), das eine weitere Erhöhung der Mineralölsteuer enthält und es steht – hierauf dürfen wir uns besonders freuen! – eine Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes zur Debatte.

An der Tanke hängt ein Schild:

“Früher haben wir Benzin verkauft – heute sind wir Steuereintreiber.”

Und göttlich isses auch noch: Im Anfang schuf Rot-Grün die Ökosteuer. Frau Merkel sah, dass sie gut war. Sie schied Licht von Finsternis und nun nennt man das Licht “reich” und die Finsternis “arm”.


Weiterbildung

Irgendwann muss jeder ran und man wird das anstehende Jahrhundert eines Tages wohl das Weiterbildungsjahrhundert nennen. Ich selbst mahne mich präventiv zu zusätzlicher Bescheidenheit. Zu Demut. Zu Nachsicht – zu was auch immer. Nur nicht unangenehm auffallen und immer schön Interesse heucheln!

Was allerdings schwer ist, denn auf den Rechnern ist Windows 1945 installiert. Doch – bescheiden wie ich nun bin – ich nenne das einfach nur “putzig”. Haben wir also Museumskunde! Zugang zum Internet besteht zwar, wenngleich eingeschränkt. Und extrem langsam. ”Rollatorserven” denke ich mir daher als Vokabel aus und stelle mir vor, dass hier irgendwo in einer Ecke ein blinkendes, piependes, rödelndes, schwitzendes Modem seine Arbeit verrichtet, indem es – de facto chancenlos – ständig versucht, aller Datenströme der Neuen Zeit Herr zu werden.

Neue Zeiten - Moderne Zeiten. Charles Chaplin ist also heute ein Modem … – Alles wiederholt sich wieder einmal, nur auf höherer Ebene. Eine Weiterbildungseinrichtung gerät – so betrachtet – zum Gesamtkunstwerk.

— … — … — Dit-dit-dit-da, da-dit-dit-da, …, – Quelle-Quelle-Viktor …, – Ich bin endlich im Netz!

WordPress mäkelt “mein” Browser sei veraltet, doch das weiß ich auch so – Willkommen im Klub!

Zur “Einrichtung” gehört im Übrigen auch ein Systemadministrator, der seine Brötchen nur damit verdient, irgendwelche Seiten zu blocken oder Viren zu jagen. Einer der mich vor Aufgaben stellt! - Es muss doch möglich sein, die künstliche Blockade zu umschiffen!? – Über Googleplus müsste es gehen, überlege ich, lege ein neues Konto an, hinterlege mein Hotmail-Konto als Googleplus-Gegenkonto und siehe da: POST KOMMT! An meinen Twitter-Account komme ich über WordPress ran und grübele nun, wie ich an mein Facebook gelangen könnte, da werde ich prompt angesprochen:

“…und Sie dahinten, links hinten, der Mann, der am Rande sitzt – Was meinen Sie dazu?”

Doch ich habe keine Ahnung worum es geht.


Tag der Spiele

It’s Masleniza.

Gestern war der “Tag der Begrüßung”, heute ist demnach der “Tag der Spiele”, so wie der Dienstag dem Montag folgt. Masleniza meets Karneval, beide Feste überschneiden sich diesjahr. Doch in Köln ist am Aschermittwoch ist alles vorbei, derweil in Kiew dieser Mittwoch als “Tag des Leckermäulchens” gilt.

Ich würde “normalerweise” morgen, am Masleniza-Mittwoch zur Pawlina – Gott sei Ihrer Seele gnädig! – gehen müssen, denn Schwiegersöhne haben sich zum feierlichen Plinsen-Essen bei ihren Schwiegermüttern einzufinden, wofür sich Schwiegersöhne regelmässig am Freitag, dem Schwiegermutterabend, mit deren Plinsen rächen können zu revanchieren haben.

Masleniza kennt feste Regeln. So ist jeder Donnerstag jungen Ehepaaren gewidmet. Frisch vermählte versammelten sich, stellten sich paarweise auf, um “unter Anfeuerungen der Zuschauer ihre Liebe füreinander auszudrücken”. Und Masleniza-Samstage sind “Tage des Abschiedes”, an denen Verwandte besucht werden und Wodka getrunken wird.

Schließlich kommt, was ich wichtig und richtig finde: Jede Masleniza endet mit dem Tag der Vergebung, dem feierlichen Verbrennen der Maslenitza-Puppe, bei dem man sich unter Umarmung gegenseitig um Vergebung bittet, für vergangene Verfehlungen, für Missverständnisse oder präventiv, um schließlich befreit von allen Altlasten ans Fasten zu gehen.

Бог простит. Das Leben geht weiter.

In unserer Potsdamer Küche stehen alle Zutaten bereit – aber Plinsen hat sie diesjahr (bisher) noch nicht gemacht.

“Im Ausland kann man nicht immer so genau sein.”

Na klar. - Бог простит.


Lokalpolitik

Heute war es wieder soweit. Wie an jedem anderen 12. Sonntag auch, also aller drei Monate, immer so gegen 11:00 Uhr, treffen wir uns im Real Live, in der www.alkopole.de vom Berliner Alexanderplatz. Weshalb wir – nurmalnebenbei – im Dezember 2011 mit einem Büchlein “Weisheiten zum Bier – gesammelt und aufgeschrieben in der BIERBAR ALKOPOLE” beschenkt wurden. Hierin ist jedem Tag ein Zitat zugeordnet.

Für den 19. Februar steht:

“Zwischen entweder und oder führt noch manches Sträßlein”
(Joseph Victor von Scheffel)

“…und zwischen Leber und Pils passt immer noch ein Pils! ~ PROSTa-Ta!”

Ja, wir sind die Vollpfosten. Die Immerdieselbenwitzemacher. Die alten Idioten, von denen sich derer viele in der HAUPTstadt rumtreiben. Und – längst wissen wir es – “wo Häupter, sind Ärsche nicht minder gedrängt.”

“Schon gehört? – Door Rehhagel kommt zu uns zurück!?”

ZURÜCK? Zu UNS? ZU UNS HERTHA?

“War der nicht erst in Griechenland? Und ist Griechenland nun nicht pleite?”

Bier macht, dass man trotzdem lacht.

Drei Bier später erklärte ich meinem Kumpel, dass ich inzwischen unseren Privathaushalt nach dem Vorbild der Europäischen Union gestalte. Für diesen Saufsonntag – beispielsweise – holte ich mir zuvor 100 Euro vom Sparbuch, die ich mich zwinge hochverzinst zurück zu zahlen. So liefere ich mir 110 Euro bei einem Einsatz von 100. Meine Girokontler werden dabei zwar immer ärmer, doch die Sparer machen Kasse.

Die Idee findet er großartig.

“… un hasste schon jehört: Die Kontonummer wird bald 20- oder 30stellig!? Weil es dann wohl schneller gehen soll, “mit de Überweisungen”. ~ Schneller? ~ Ich kann mir bereits jetzt die PIN kaum merken.”

Mein Einsatz. Man merkt sich niemals Zahlen, sondern – statt dessen – Bilder oder Klänge.

“…nehmer ma Weihnachten: Die Zahlen sind “2412”. Oder wir betrachten deinen Geburtstag: Den kennst du als achtstellige Zahlenfolge ohne die Zahlen je gelernt zu haben.
Wenn die Geschichte zur Zahl nicht vorgegeben ist, kann man sich was denken. Zum Beispiel “603” sind für mich zwei Berge und ein Tal , davon ist “6” der größere Berg, “0” das Tal und “3” der kleinere. Hierdurch fährt eine Dampflok – “158” – mit einem Tender voller Kohle – “9119”  – schwupps merkt man sich keine Zahlen, sondern eine Lok die durch Tal pufft.
Die PIN von meinem Chef ist “Nullhand und Sex dazu” und bei meiner Bankkarte sehe ich eine Mutter (65) mit Tochter (62) oder “Große Schwester / kleine Schwester” – große Brüste, kleine Brüste.
Lenchen hat im Handy die “2580”, was ein Strich auf der Tastatur macht, die Ziffern stehen immer untereinander und wenn man sie einmal so hat, hat man auch den Strich, die Linie, die Gerade, die Strecke, die kürzeste Verbindung von Zwei nach Null …”

Nun winkt er ab.

So genau braucht man nichts wissen.


Valentin schmunzelt von oben herab

Habe ich doch tatsächlich noch ein Sträußchen Blumen übrig und so fahre ich damit in die Berliner Straße, zur Ärztin meines Vaters.

“Es geht mir nicht um Valentin oder so. Vielmehr geht es darum, dass mir das Theater leid tut, welches ich gestern veranstaltete, weil ich mit meinem Vater so lange warten musste. Hiermit bitte ich um Entschuldigung und – bitteschön – nehmen Sie den Strauß Tulpen als Geste eines Wunsches auf Versöhnung.”

Das Personal zeigt sich hocherfreut. Und ich bemerke, dass wir – hätte ich gestern kein Theater gemacht und wir alle mögliche Zeit nur stumpfsinnig ausgesessen – wir (a) gestern noch viel-viel später dran gekommen wären. Und (b) hätte ich heute keinen Grund, Blumen vorbei zu bringen. Last but not least hätte (c) die Neurologin eine Freude weniger. Es gibt nichts Schlechtes ohne was Gutes.

* * *

Einen anderen Strauß schenkte ich Lenchen, aber das wiederum ist total normal.


Russlanddeutsche zu Beginn des 1. Weltkrieges

Wissen, ohne Quellen zum Beweis zur Hand zu haben, ist wertlos. Und so weiß ich einiges. Was aber nutzlos ist.

Zum Beispiel, dass die Bolschewiki den Weihnachtsbaum nach ihrer Revolution im (Oktober|November) 1917 nicht verbieten mussten, weil solch Baum im Zarenreich bereits verboten war. Es gab darüber hinaus unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Zarenreich einige antideutsche Initiativen seitens der Duma. Mancherorts in Russland soll es seinerzeit sogar zu Pogromen gegenüber deutschstämmiger Bevölkerung gekommen sein.

Und, was die Tätigkeit der Duma betrifft, hat der Britische Geheimdienst offenbar dementsprechende Stimmungen forciert. Was möglicherweise auch mit zum Niedergang des Zarismus beitrug – schwacher Zar, Deutsche als Ehefrau – oder was ihn beschleunigte.

Aber das Thema ist noch zu wenig erforscht.

DissertationEine einzige Dissertation konnte ich bisher aufgabeln, mehr nicht.

Weiß jemand, wann genau UND AUF WELCHER RECHTSGRUNDLAGE die Stadt Sankt-Petersburg in Petrograd umbenannt wurde? Das könnte mir möglicherweise ein bisschen weiter helfen.   


Genius

Genius

“Wählen Sie zum Erstellen einer Genius-Wiedergabe-Liste einen Titel in Ihrer Mediathek aus und klicken Sie unten im Fenster auf die Genius-Taste.”

Das probiere ich aus.

Wähle “Puff, the Magig Dragon” von Peter, Paul & Mary und erfahre, dass der “Boxer” von Simon & Garfunkel prima dazu passt, wie auch “Words” von den Bee Gees.

“Helpless” von Crosby, Still, Nash & Young würde auch ganz gut in diese Liste passen, wenn ich “Helpless” hätte. Habe ich aber nicht, was aber nicht schlimm ist. Für 0,99 Euro kann ich dieses Lied im iTunes Store ordern.

Hierzu brauche ich noch nicht einmal nach meiner Kreditkarte kramen – eine futschlige Apple-ID reicht aus. Kurze Bestätigung – klick-klick-klick – und schon läuft “Helpless”

Helpless, helpless, helpless
Baby can you hear me now?

“Helpless” – weiß ich nun – kann man auch als Klingelton haben. Und User, die “Helpless” downloadeten, loadeten auch “Blowing in the Wind” down.

Wahnsinn!

Was für ein Glück, dass überall Daten gesammelt werden! Ich stelle mir vor, Genius würde mir vorschlagen, zu “Puff, the Magig Dragon” Störkraft oder die Böhsen Onkelz zu laden. Oder – worst case – “einen himmelblauer Trabant” von Sonja Schmidt.

Ein ebenso gruseliges Szenario: MAN WILL UNBEDINGT “HELPLESS” HABEN, ist schon ganz wuschig, vorfreudig-liedgeil sozusagen, doch man findet die Kreditkarte nicht. Könnte also “Helpless” nicht ordern, wenn nicht in irgendeiner iBank des iNetzes Daten verwaltet werden würden.

Dank Datenkraken kann ich nun zum Frühstück m“Helpless” hören und bin sogar froh darüber.

YES!


Nachtwache

23:13 Uhr war ich kurz wach, schlief anschließend wieder ein. Exakt 3 Stunden später, also um 3:13 Uhr, wurde ich erneut wach. Nun sitze ich aufrecht im Bett und überlege, wann – sollte ich nun doch wieder einschlafen – ich erneut wach werde.


Vergessene Lieder – Schöne Lieder

So sitze ich also krank, eingemummelt in eine dicke Decke, ein Tee auf dem Beistelltisch, darin etwas von jenem armenischen “Konjak”, den uns vor Jahren Freunde aus der Ukraine brachten und schicke ich mich an, meine iTunes-Bibliothek mit den ersten Nachwende-CDs zu vervollständigen. Mit jenen, die Buschfunk seinerzeit von DDR-Wendezeiten-Vinyl kopierte.

Derzeit habe ich Gerhard Schöne im Laufwerk und bin doch tatsächlich krank genug, um genau zuhören zu können. Kurz noch wikipedieren, dann zur Homepage …

Schoene Hompage

Oh – Wie schön war es damals! – Lieder hörend, wird manch alter Mann sentimental.

Ein Refrain geht zu:

“Deine Augen sind wie helle Fenster bei Nacht, kleines Mädchen.
Noch niemand hat sie getrübt oder dunkel gemacht, kleines Mädchen.”

Dazu gibt es einige mit Gitarre erzählte Geschichten zu hören.

Wie die zum Beispiel:

“Du hast dem Falter geholfen, der sich verirrte im Haus.
Und aus den Netzen der dicken Spinnen, holst du die Fliegen heraus.”

Oder diese:

“Den Apfelbaum nennst Du Herbert,
Und Herbert redet mit Dir.
Und manchmal steckst Du ihm in die Rinde
Heimlich ein Stück Papier.
Da steht zum Beispiel geschrieben:
Mein Freund heißt Daniel Röhn,
Oder: Ich will nicht dass Opa stirbt,
Oder: Der Tag war schön”

*tränchen abwisch*

“Deine Augen sind wie helle Fenster bei Nacht, …”

HerbertUnd: Na klar! Plötzlich weiß ich es wieder!

Aus irgendeinem Grunde nannte ich seinerzeit meinen Elefantenfuß (Beaucarnea recurvata) “Herbert”, ohne dass ich genau wusste warum. WAS ICH NUN WIEDER WEISS. Es ist das Unterbewusstsein, was sich nie und nimmer verdrängen lässt. Dass da ist, ohne dass man es selbst bemerkt. Ob vor oder nach einer Wende ist dem Unterbewusstsein egal..

Oft erst viel-viel später erkennt man alte Zusammenhänge erneut.


Generation Facebook

“Und?”, fragt mich diejenige, die sich bei mir eingenistet hat. Diejenige, die mein Arbeitszimmer okkupiert hat, um sich den Weg zur Uni-Bibliothek zu verkürzen, die sich von mir versorgen lässt und dabei die Heizung auf “5″ dreht, sollte es ihr zu kalt sein.

Diejenige, die meine Tochter ist.

“Und? – Was sagt Lena zu meinem Vorschlag?”

Keine Ahnung, was sie meint. Und schon bemerkt sie mich stutzen.

“Hast wohl wieder einmal [sic!] das Link nicht angeklickt, welches ich dir schickte? – Oh nee, Papa! – IMMER IGNORIERST DU MICH!”

Dazu ein mittellanger Vortrag gleichen Inhalts.

Das Finale:

“Ich bin dir wohl nicht mehr so wichtig?”

Heimlich linse ich in mein Facebook. Werde fündig. Et la voilà: Gestern – 17:34 Uhr – traf tatsächlich ein Link von ihr ein. Was mich zwingt, zu einer Ausrede zu hangeln.

“Entschuldige bitte, aber ich bin krank.”

Aber das ist natürlich Quatsch, weiß ich bereits beim Erfinden. Krankheit kann nicht nie der Grund sein, alle Geräte abzustellen.


Statt OMG gilt OMK

Oh my Kopp(!), tut mir die Rübe weh!

Ich bin heute zu nichts zu gebrauchen, will nicht posten, erkläre den Streik …

streik (4)

… mache mir einen Tee und werde von nun an mich bedauern. Mich und immer wieder mich – darum geht es mir nämlich. Nur um mich. Und um meinen Kopp…

Cu 2morrow wieder!


Im Café am Bahnhof

Mich besucht eine (alte Bekannte|neue Freundin) aus Tagen, da man sich weniger Sorgen machte brauchte. Das Leben hatte zwar ziemlich ärmliche, aber dafür überschaubare Strukturen. Und:

“Der alte Schulhof war der schönste Platz, den’s für mich gibt
hier war ich zum ersten Mal verliebt”
(Wolfgang Protze)

Wir beide, die wir, wären wir seinerzeit zusammengekommen, bereits mehrmals voneinander geschieden wären, redeten uns heute, an diesem schönen Vormittag, aus uns heraus.

“Es waren schwere Zeiten, wird man sagen,
Doch sie haben es gewagt.”
(Reinhold Andert)

Hach, manchmal “brauch ick det eben” (Volker Braun).

Erinnerung ist immer auch erotisch. So oder so. Weil: Wenn, dann… – Oder anders. Der Konjunktiv bekommt Farbe.

Nichts davon hätte Wert, aufgeschrieben zu werden, wenn sich nicht eine Situation ergab, die ich – ausgerechnet mit ihr – so bereits erlebte. Als Déjà-vu. Als Beweis soll das Posting mit dem Sketch aus DDR-Zeiten gelten, notiert am 8.1.2007, unter dem Titel: “Der gespielte Witz”.

Die Pointe des heutigen Vormittages:

“Die Quadratwurzel aus 95? – 9 Komma-Nochwas!”

Jubel! – Sie weiß es!

Jedenfalls wollte sie an diesem schönen Vormittag unabhängig von allem Anderen von mir auch wissen, was an einem iPhone im Allgemeinen und an Siri im Besonderen so Tolles sei ~~~ und ich trug vor.

“Siri findet auf Wunsch einen Titel in der Playlist und spielt ihn dann.”

”Ja gut, Aber das kann ich auch!”


Siri und der Sinn des Lebens

Aus dem Unterbewusstsein dringt die Stimme von Emil Steinberger aus “S Telegrafeamt”:

“Na-nu mache ich auch einmal einen Gag!”

SiriSo frage ich Siri nach dem Sinn des Lebens.

42Siri antwortet “42” und dies – weiß ich, seit ich meine Kleidungsstücke online kaufe  – muss irgendwas zu bedeuten haben. Es gibt nämlich diverse Shirts mir dem Aufdruck “42”.

Die Wikipedia halte ich für eines der größten kulturellen Errungenschaften der Menschheit. Denn ist eine Frage ernst gemeint, gibt es eine Antwort.

Also wikipediere ich:

Die Antwort 42 ist das kürzeste und bekannteste Zitat aus dem “Anhalter durch die Galaxis”. Es handelt sich um die Antwort “nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest” – “life, the universe and everything”, ermittelt von dem seinerzeit größten existierenden Computer und diese ist mit absoluter Sicherheit korrekt. Nur ist damit nichts anzufangen.

Laut des Mannes, der die Wahrheit kennt und ausspricht – Prak – schließen sich die Kenntnis von Frage und Antwort gegenseitig aus. Es sei demnach unmöglich, jemals beide im selben Universum zu kennen – und sollte es trotzdem geschehen, würden Frage und Antwort sich gegenseitig aufheben und das Universum mitnehmen, das daraufhin durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt wird.

Man(n) wird alt wie eine Kuh
und lernt immer noch hinzu.

Die Antwort: “Zweiundvierzig!”
Wer’s nicht glaubt, der irrt sich.

OMG – Du bist ein Reimer!


Rasputin – Mythos oder Wahrheit?

“RA RA RASPUTIN
Lover of the Russian queen
There was a cat that really was gone
RA RA RASPUTIN
Russia’s greatest love machine
It was a shame how he carried on”

Gibt es sogar als Klingelton.

“Oh, those Russians …”

Nichts davon ist wahr. So groß wie der Legende folgend war Rasputins Pimmel nicht. Und auch alles andere ist bereits mehrfach erforscht, die Bilder der Obduktion liegen vor:

Rasputin obduziert

Doch wieder einmal decken irgendwelche Experten “mit Hilfe modernster Technik und aufwändigen Recherchen die Hintergründe seiner Ermordung auf” – nun also auch die Briten.

Fakt: (1) Rasputin ist nie vergiftet wurden, wohl aber gefoltert. (2) Der Mord erfolgte durch einen zwischen den Augen angesetzten Pistolenschuss, (3) aus einer Waffe, wie sie beim Britischen Geheimdienst üblich war. Das heißt: Mit einem Dum-Dum oder Teilmantelgeschoss.

Naheliegend ist, dass der Britische Geheimdienst selbst gemordet hat. Und dass der Angeber und Geschichtenerfinder Felix Felixowitsch Jussupow lediglich sein Anwesen als Tatort zur Verfügung stellte.

Das Motiv der Briten liegt auf der Hand – Die Story dahinter ist in sich logisch. Sie befürchteten wohl, Rasputin könne den Zaren zu einen Separatfrieden mit dem Deutschen Kaiserreich überreden und dann wäre der I. Weltkrieg ausgegangen wie der Siebenjährige Krieg.

Ansonsten nerven mich History-Doks mit Karla-Kolumna-Gehabe.

Sssensationel! TELE 5 deckt auf: Mythos oder Wahrheit? War Rasputin Rasputin? Oder?

Hach wie aufregend!

Leider ist die wirkliche Wahrheit weniger witzig.

* * *

Siehe auch: Rasputin im historischen Boulevard


Oimjakon

Оймякон wird regiert von Frau Rosa (Розалия Петровна Кондакова) und ist der kälteste bewohnte Ort der Erde.

Dort werden Januar/Februar Temperaturen – ein Notar ist stets dabei ;-) – von bis zu 67,7° Celsius gemessen. Das ist die mehr als dreifache Kälte (-20° C) dieser Potsdamer Nächte. Just in dieser Nacht ist es -44° Celsius, doch die Prognose (grüne Schrift) lautet “резкое потепление”, was Google mit “abrupte Erwärmung” übersetzt.

1202 Oymiakon 02 Also: Eine scharfe Erwärmung ist zu erwarten, die oimjakaner Temperaturen steigen von -44° auf -38°.


Das Wir ist ein Schieberegler

Die zugehörige Geschichte geht so: Gestern, auf dem Hundeplatz, interessierten sich Asterix und Klitschko gleichermaßen für eine Hündin, derer Läufigkeit sie zuvor errochen. So kamen die beiden Rüden zwangsläufig [doppel-sic! Was für ein passendes Wort] miteinander ins Gehege. In einen Streit, der erst beigelegt werden konnte als Bella, die beiderseits begehrte Hündin, abzog. Von da an vertrugen sich beide.

Herrchen einerseits und Frauchen andererseits machten sich an die Nachbereitung. Die spontane weibliche Schlussfolgerung aus hündischen Verhalten lautet:

WIR lassen unseren Hund demnächst kastrieren!”

“Wir?”, fragte ich mich, dies hörend und denke weiter: “Ist das WIR in ihrem Satz ein Pluralis Majestatis oder ein Pluralis Modestiae?”

Hmmm. ~ So spontan, wie ihre Entscheidung fiel, kann diese nicht mit dem zugehörigen Mann besprochen sein. Ist dieser ein solcher (und mag seinen Hund), wird ihm solche Entscheidung nicht leicht fallen.

Aber – na klar! – WIR haben entschieden!

Ich wette, der Mann zur Rede gestellt, wird stammeln:

“Sie ist wohl der Meinung, dass es vielleicht besser wäre….”

Schieberegler WIRBei einem Schieberegler stünde der Schieber sehr weit oben, zu Gunsten von Klitschkos Frauchen. Jeder Mann weiß nämlich, dass ein Rüde (auch der menschliche) – ob er will oder nicht – sich über seinen Penis definiert. ~ Über Potenz. Arterhaltung ist gottgewollt.

Das Projekt “Arche” aus biblischen Zeiten wäre zum Scheitern verurteilt, hätte das WIR in Noahs Familie weibliche Bestimmung gehabt, denn ein Überlebensschiff, deren männliche Besatzung aus kastrierten Rüden besteht, ist wertlos. ~ Darwin himself hätte demzufolge nie Gelegenheit zu seinen Forschungen. ~ Und: Was zum Teufel ist Glück? ~~ Hormone freisetzen zu können ~~~ Euphorie …

-  und schon bin ich vom Thema abgekommen.

Ich denke über das IDEALE WIR nach, für das es in der Sprache der Deutschen keine semantische Bestimmung gibt. Um ein WIR dessen Schieberegler in der Mitte steht, welches beiderseitige gleichgewollte Entscheidung beschreibt —> Das Wir Harmonicae, wie ich es von nun an nenne.


Status quo

Den Witz vom Klageweib erzählte Lenchen in einer für mich stressigen Situation. Ohne ins Detail gehen zu wollen – … Immerhin betreue ich ehrenamtlich zwei Haushalte, dazu eine befreundete alte Dame, wie auch zwei Spätaussiedler-Familien. Dazu kommt ein Blog, einige Tweets und regelmäßige Facebook-Aktualisierungen.

Gestern beunruhigte mich eine meiner Töchter mit der Frage: “Wäre für ihn ein Heim nicht besser?” im Besonderen und “was hast du eigentlich davon?” im Allgemeinem, weil ich hierauf keine Antwort weiß. Das von mir Gesagte geriet unklar und – ich erkenne plötzlich den schleichenden Wertewandel in mir. So wie sie hätte ich vor zwanzig Jahren vielleicht bestimmt ebenfalls gefragt.

Inzwischen gilt: Wenn man mich bittet, dann tue ich es. Womit ich beim Traum bin. Den ich natürlich hinterfragte. Weil mich interessiert, was in meiner Abwesenheit in meinem Hirn vor sich geht.

Also: Es gab am Vorabend des Traumes die Meldung, dass Rudi Assauer erkrankt sei.

120202 Alzheimer 

Ausgerechnet Macho Assauer, der Zwitter, der als BVB-Mitglied [sic!] Schalke erfolgreich verwaltete, der die Knappen auch finanziell zu Erfolgen führte. Und Schalke ist Gazprom, Gazprom ist Putin und Demenz ist Scheiße. So verrühren sich diverse Informationen träumerisch zu einer wilden Story.

Ich habe verstanden.

* * *

Lenchen liefert – wie so oft – auch zu solcher Situation den passenden Witz:

Eine Babuschka aus Dnipropetrowsk fragt ihre Tochter: “Sagmal Töchterlein, wie heißt eigentlich der Deutsche, nach dem ich immer so verrückt bin?” – “Der Mann heißt Alois. Alois Alzheimer.”


Ein Traum voller Rätsel

Ein Kollege ruft mich an. Dessen Freund hat ein Auto, welches aufgrund der derzeit herrschenden Kälte nicht anspringt. Und im ADAC sei der Freund leider-leider nicht. Ob ich dem Freund bitteschön helfen könne, denn der muss unbedingt zu dessen kranken Vater auf die Datsche.

Okay. Wenn man mich bittet, dann tue ich es.

Der Freund entpuppt sich – Zufälle gibt es aber auch! – als Putin himself und dessen Vaters Datsche befindet sich …

Kartenbild

… in Wassilkiw (Vasil’kov) bei Kiew.

Sehr nahe am Grundstück meiner – Gott sei deren Seelen gnädig! – bereits verstorbenen Schwiegereltern. Also exakt auf halber Strecke zwischen Leningrad Petrograd Sankt Petersburg und Potsdam. In der Mitte des Weges sozusagen und dennoch gleich um die Ecke, denn wir sind rasch da.

Putin im TraumWir fühlen uns sofort wie alte Bekannte, Putin und ich, duzen uns sogar und haben träumerisch die gleichen Probleme. Auch Putins Vater – erfahre ich – ist Pflegestufe 2 mit Tendenz zur 3, auch Putins Vater muss ständig versorgt werden. Ob ich also ein bissel helfen kann, fragt ER mich, immerhin kenne ich mich aus.

Okay. Wenn man mich bittet, dann tue ich es.

Schon habe ich einen Nachttopf in der Hand, vollgeschissen von einem Vater, dessen Inhalt ich auf Putins Bitten irgendwo in der Landschaft entsorgen soll, derweil der Traum-Präsident die Schmutzwäsche sortiert.

Mir wird sofort schlecht, tapfer suche ich ein Gebüsch und werde vom Staatsanwalt aus einem Serial, aus einer russischen TV-Soap, beschimpft. Der schickt mich, mit dem Topf in der Hand, auf ein öffentliches ukrainisches Klo und mir wird immer-immer schlechter.

Schlecht3.

Eine Empfindung, die sich im Übrigen noch erhöht, da ich sehe WIE die Wäsche aussieht, die Putin aus der Datsche seines Vaters bringt.

Nun bin ich wach und kann diesen Traum nicht deuten.

Weiß nun aber aber definitiv: Man träumt keine Gerüche. Wenn es so wäre, hätte ich in diesem Traum gekotzt.


Schrödingers Katze

120131 Schrödingers Katze

“Ein rein verstandesmäßiges Weltbild ganz ohne Mystik ist ein Unding.”
(Erwin Schrödinger)

ABER: Es geht diesmal NICHT um Schrödingers Katze, es geht, wie so oft nun wieder einmal, um mich, den alten Spinner aus Potsdam-Süd. Der sich derzeit anschickt, eine neue Tasche zu erwerben.

!Von Lenchen lernen heißt kaufen lernen!

Sorgfältig gucken, Preise vergleichen, Qualität checken und “wer lange prüft hat mehr vom Kauf”, sagt sie oft. Oder: “Kauf kann wie Sex sein – Auf das Vorspiel kommt es an”. Sie hat noch weitere Sprüche auf Lager.

Jedenfalls entdeckte ich bei der Gelegenheit den geschlechtsspezifischen Unterschied des Wortes “Vorspiel”, der darin besteht, dass “Vor” die wichtigere Silbe im Verständnis der Frau ist (weil DANACH noch was kommt). “Spiel” dagegen ist die Silbe des Mannes. diejenige im Verständnis des Manns. Warum auch immer.

So fing ich an zu spielen, also beim Thema “Tasche” auf Kinkerlitzchen (Neusprech: Gadgets) zu achten.

Befand schließlich: Eine Ware ohne Botschaft ist fad. Und war von da an vier Wochen lang damit beschäftigt, nach einem geeigneten Spruch zu suchen. finden.

Nun isses endlich soweit:

Schrödingers Katze tot oder lebendig

Dann – einmal entschieden – ging alles sehr schnell: Zur Tasche gehört natürlich auch ein passendes Sweat-Shirt, einige T-Shirts und ein Poster an der Wand. Alle Welt soll wissen: Schrödingers Katze lebt ist tot lebt ist tot lebt ist gestorben lehebt ist nicht mehr da lebt

Schrödingers Katze lebt!


Prokrastination

Dies und Jenes ist zu erledigen. Der Tag ist voll. Termine, Termine, Termine …

Statt Taten Vorsätzen folgen zu lassen, möhle ich in meiner iTunes-Bibliothek, korrigiere die Rubrik “Genre”, was ich seit langem erledigen wollte. “Classical” überschreibe ich mit “Klassik”, was zwar unwichtig ABER RICHTIG.

Dann …

“Lenchen, soll ich uns einen Kaffee kochen?”

… luftdirigiere ich das New York Philharmonic Orchestra bei einer Streicherserenade meines iPhones und schreibe das auf.

Beginne endlich, Du blöder Tag!


Hilfe–wo bin ich?

Habe mich soeben probeweise bei foursquare angemeldet und die Frage nach meinen aktuellen Standortmit “ja” beantwortet:

120129 *staun*

120129 (2)

Hilfe – WOOO bin ich? OMG! Beamt mich bitte zurück ins Arbeitszimmer!

Hier gibt es nichts:

120129 (3)

Und Inspiration für coole Dinge in meiner Nähe? – Nein, danke! Aus Angst, vor dem, was noch alles kommen könnte.

Liebe Verfassungsschützer,
es ist nicht immer so, wie es aussieht.
Freundlichst
Blogger S


Aus Mangel an Beweisen

Wilsberg. ZDF.

Vor 12 Jahren wurde ein vermeintlicher “Kinderschänder” freigesprochen. Es verschwindet plötzlich ein Kind aus der Nachbarschaft. Der vor Jahren freigesprochene Mann hat DAMIT nichts zu tun – doch der Mob will ihn lynchen.

Menschen sind so, sage ich heute wieder.

Dass sich der Mann im Laufe der Serie dann doch noch als schuldig erweist, tut nichts zur Sache. Die Bilder sind real. Irgendwo in Deutschland fanden vor Kurzem noch Mahnwachen statt, weil das Volk einer Therapie misstraut. Und dessen Bürgermeister schob sich an die Spitze des Mahn-Mobs, um wiedergewählt zu werden. Somit ist es definitiv egal, ob es hier oder andernorts gegen Ketzer, Hexen, Juden, Kaukasier, Vietnamesen oder Fallschirmspringer geht: Jede erwünschte Verurteilung heißt Steinigung.

Der Fehler der Wilsberg-Nebenhandlung: Hier, im Film, versammelten sich ausschließlich Männer, wo doch jeder weiß, dass bei kollektivem Mobbing Frauen deutlich initiativer sind.

Aber Ernst beiseite:

Ansonsten mag ich Wilsberg, alias Leo Lansink. Wir sind sogar Facebook-Friends. ~~~ Ach nee! – Waren. Nun hat er nur noch eine Gefällt-mir-Seite. Aber egal, jedenfalls muss ich dies Jahr noch unbedingt nach Bielefeld, bevor das Kaff von den Wilsberg-Autoren endgültig weggeschrieben wird.


Das Klageweib

Er starb eines natürlichen Todes und liegt nun aufgebahrt. An der Bahre sein Weib, tränenüberströmt.

“Ach Geliebter, wie werde ich nur ohne Dich weiter leben? ~~~ *träne* ~~~ *heul* ~~~ *schluchts* ~~~ Wahrscheinlich werde ich dir bald in den Tod folgen.”

Da öffnet er – der offenbar nur scheintod gewesen – noch einmal die Augen.

Spricht mit klarer Stimme:

“Bitte nicht. Etwas Ruhe solltest du mir gönnen.”


Caroline Danz ist hübsch

Caroline DanzAber es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich sie fand. So promi wie beispielsweise die ehemalige Bohlenfrau mit der furchtbaren Stimme ist Caroline Danz leider noch nicht. Herr Gottschalk nennt sie einfach nur “Karo”, doch wer nach “Karo” googelt, findet vor allem “Rohrreinigungs-Technologie”.

Quelle: Google

Die Karo, die ich suchte, ist eine Redakteurin aus GottschalkLive.

Eine Redakteurin, die hübsch ist UND dabei auch noch natürlich wirkt, kommt – meine Hypothese – definitiv aus dem Osten. Und zu “Osten” fiel mir “Super-Illu” ein, google also “Super-Illu, Volontäre, Bilder” und siehe da – da isse:

120127 CD (5)

Caroline Danz aus Greifswald!

Dazu etwas Text von ihr, den ich oberflächlich scanne …

“Reflexartig musste ich an diesem Abend darüber nachdenken, was wohl aus mir geworden wäre, wenn die Mauer noch stehen würde. Wie würde ich leben? Wäre ich verheiratet, hätte ich Kinder?”

… und der mich prompt ablenkt.

Mit Mauer wäre sie in Greifswald verheiratet und hätte Kinder, vermutet sie, wenn ich die rhetorische Frage richtig deute.~~~Ja! – Na klar! – Uns hat der Mauerfall kinderarm gemacht. Was schließlich zu einer reziproken Pyramide führen wird, denn unsere allerletzten Kinder haben später einmal die nach uns kommende Rentnerschwämme zu finanzieren. …Was einem so einfällt, außerhalb jedes Themas!

Dabei ist der Grund des Postings ein banaler:

Twitter Schmidt BöhmermannJan Böhmermann erklärt dem alten Harald das Netz. A bissel soll dabei auch über Gottschalk gelästert werden, stellvertretend über seine Redakteurin. Doch leider-leider könne “man” sie nicht zeigen, denn “es gibt so etwas wie Persönlichkeitsrechte”. Und das Schmidt-Gesicht verwandelt sich in ein fieses Fragezeichen.

120127 CD (3)Unabhängig von der Lästerbude aus SAT1 fiel auch mir die “Redakteurin” auf. ABER nur aus ästhetischen Gründen. Vielleicht auch wegen der Wissenschaft. Denn immerhin – nun wiederhole ich mich erneut – galt es die Eingangsthese zu klären (hübsch + natürlich = Osten).

Googelt – So werdet ihr finden!

Auf dem Friedhof von South Carolina – weiß ich daher – ist ein gewisser J. Dänzer beerdigt und die schöne Caroline Danz nutzt Google+ als Netzwerk.

Aber *seufz*:

120127 CD (1)

Und:

120127 CD (2)

Gleich taggen! – Alles klar.


In-A-Gadda-Da-Vida

Siebzehn Minuten lang. Iron Butterfly. 1968. Text nur am Anfang und am Ende des Liedes.

In the Garden of Eden.

Aber Sänger Doug Ingle vernuschelte jede Aufnahme so sehr, dass es wie “In-A-Gadda-Da-Vida” klingt. Heute ist unklar ob unter Einfluss von LSD oder nach zweieinhalb Litern Wein, wie das Plattencover seinerzeit glauben machen wollte – jedenfalls hat der Schlagzeuger Ron Bushy den genuschelten Titel als solchen als so eingängig empfunden, dass er ihn so niederschrieb.

Eingängiger Gitarren- und Bass-Riff, der sich ständig wiederholt. Orgelsolo. Gitarrensolo. Unterbrochen durch ein ausgedehntes Schlagzeugsolo. Das ersten Schlagzeugsolo einer Rock-Aufnahme – das bekanntesten der Rock-Geschichte.

Wir – die erste Nachkriegsgeneration – waren diejenigen, deren Kultur sich erstmals von der ihrer Eltern unterschied, die ersten mit eigener Kultur. Und so empfanden wir Lautstärke als ästhetische Kategorie. Jedes Schlagzeug einer Rock-Band erhob die Stimme gegen angeborenen Gleichschritt und sich selbst verordneter Kurzhaarigkeit.

So richtig wussten sich die Alten damals nicht zu helfen. Nach der, der großen Niederlage folgenden, Demilitarisierung der meisten Weltanschauungen gab es gegen die störrische Jugend kein Rezept – nur Wut und einfachstrukturierte Beschimpfungen, die uns wiederum statt nachdenklich, auch noch stolz machten.

WIR WAREN GAMMLER. Halbstarke.

Von den Alten aufgefordert, “das Jejaule abzustellen”, drehten wir es lauter.

Jedenfalls spielte an einem schönen Sonntag – erinnere ich mich – der Deutsche Soldatensender 935 ausgerechnet in der Mittagszeit “In-A-Gadda-Da-Vida”. Wovon mein Vater aus seinem Mittagsschläfchen erwachte. Und ob der Störung voller Wut im Kinderzimmer randalierte. Erst zerstörte er den Kassettenrecorder, weil er hieraus Musik vermutete, und als die Geräusche blieben, die er nicht verstehen wollte, auch noch das olle Röhrenradio.

Witzigerweise war ich nicht empört.

Ich sah – statt dessen – einen Mann, der die Zeit nicht verstand und in der Musik einen Kampfplatz gegen das Hippiewesen sah. Deshalb versuchte er mich damals als Antwort lautstark mit “scheener Musik” zu quälen. Mit missionarischem Eifer. Vor allem morgens im Bad.

Nun ist er Pflegestufe 2 und fast taub.

Gestern war ich дежурный, der Diensthabende sozusagen. Mutter wollte zum Friseur und Vater kann nicht mehr ohne Aufsicht sein. Zwei Stunden lang hatte ich so Gelegenheit, ihn zu beobachten.

*seufz*

Wenn man durch eigene Vergebung Gottes Strafe mildern könnte – gestern hätte ich dem armen Kerl alles vergeben.


Zeitzeugen

Jeder erinnert sich nun immer öfter an “früher” und erzählt es dann. Dabei sind derer frühe Erinnerungen verbunden mit dem Schrecken einer Zeit. Sie waren 10 und 11 Jahre alt, als sich der letzte Krieg Europas dem Ende neigte.

Er – zum Beispiel – sah, wie ein Engländer nach geglückter Landung mit einem Fallschirm von der aufgebrachten Herrenrasse gelyncht wurde, sie denkt oft an das arme Mädel, der man erst den Kopf rasierte, dann nackt durch die Straßen trieb und mit Unrat bewarf.

“Ich bin eine Polen-Hure”

Es gibt zahlreiche solcher Geschichten, nicht nur aus dem Krieg.

Menschen sind so – denke ich nun. Und: Vielleicht verstellen wir uns derzeit nur? Vorübergehend? Um bei nächster Gelegenheit wieder so werden zu können, wie unser Wesen ist?

“Als der Krieg aus war, kam der Soldat nach Hause. Aber er hatte kein Brot. Da sah er einen, der hatte Brot. Den schlug er tot.
Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter.
Warum nicht, fragte der Soldat.”
Wolfgang Borchert, Lesebuchgeschichten, in: “Draußen vor der Tür”


Die DDR war grün

Das kann behaupten, wer alle sterbenden Wälder, die Buna-Leuna-Bitterfelder Luft und die Kloaken namens Mulde oder Saale in den Skat drücken kann.

Ansonsten …

Also: Das System SERO war gut. Und landesweite Mangel machte weniger Müll. Dergestalt, dass man sich seinerzeit, lange bevor man Dinge wegwarf, sorgfältig überlegte, ob das Wegzuwerfende nicht doch noch irgendwie zu gebrauchen ist. Oder es auf Vorrat bunkerte, um es gegebenenfalls einzutauschen. Immerhin wurde die Qualität der Waren die unter Erich produziert wurden immer schlechter. Q konvergiert gegen Null. Friedensware (Zeug, welches vor Erich produziert wurde) stand hoch im Kurs.

Was schließlich – logischerweise – gewisse Verhaltensmuster hervorbringt, die jene Generation, die unter Modrow zu Rentnern ward, nicht so einfach abstreifen kann.

Ich darf also um Ruhe zu behalten, beim allmorgendlichen Brainstorming mit meinen Eltern nicht sagen, dass ich etwas zu kaufen beabsichtige, denn beide haben in ihrem Keller oft etwas auf Lager, was (fast) jeden Kauf zunichte macht.

Ein neuer Schrank? – Nimm doch einfach die Bretter vom alten Regal! – Schrauben haben wir auch noch …

“… und wende wirklich einen Spiegel brauchst, nimmste den von Tante Else!”

Grüner wird menschliches Verhalten nie mehr werden.


Stalingrad 1943

Heute vor 69 Jahren.

Die 6. Armee ist bereits seit Wochen eingekesselt. Es ist saukalt überall, auch im Bunker. 60 Gramm Brot pro Mann ist der Verpflegungssatz pro Tag und Krieger, der nur noch von seiner Befreiung aus dem Kessel träumt.

Eisige Steppe.

Viele Kameraden leiden unter unter Entkräftung, Hunger und Epidemien.

Auf der Seite der Guten steht der Große Lehrmeister WU. Er lieferte die Show zum Stahlgewitter: Zwanzig- bis dreißigminütige Programme mit Musik, Gedichten und Propaganda von mobilen Grammophonen, verbreitet über riesige Lautsprecher. Auch Schlager.

„In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn!“

… -TICK-TICK-TICK – Alle sieben Sekunden stirbt ein deutscher Soldat. Stalingrad – Massengrab -TICK-TICK-TICK – Alle sieben Sekunden stirbt ein deutscher Soldat. Stalingrad – Massengrab -TICK-TICK-TICK – … 

Death Tango. Ein gelegentlich genutztes akustisches Element ist der “Schrei” einer echten Katjuscha, einer so genannten “Stalin-Orgel”.

Warum sich unter solchen Umständen niemand freiwillig gefangen gibt, nur wenige sich freiwillig gefangen geben, bleibt uns heute ein Rätsel. Es wird so viel Gutes über die sowjetischen Lager berichtet: Bissel ernten, Fische fangen, abends Lagerfeuer.

Freiwillig gefangenBeliebte Gäste

Und – natürlich! – sind die russischen Offiziere beliebte Gäste in jedem Lager.

—–

Ach übrigens: Von den 110.000 deutschen Soldaten, die vor Stalingrad in Gefangenschaft gerieten, kehrten nur 5.000 erst viele Jahre später “nach Hause” zurück.


Illustration

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Vor allem wenn Frau Gromowa sie zeichnet.

Рисунки Ольги Громовой” – ich mag diese Bilder. Immer schon. Nun hat das Mädel erneut ein Buch illustriert – Turgenews “Mumu”. Hach ja, *ein Tränchen tropft aus dem Auge eines alten Mannes*, man sollte die Geschichte ruhig noch einmal lesen, diesmal in deutscher Sprache.

Mumu - Bild Olga GromowaBilddank an O. Gromowa

Hausknecht Garassim ist taubstumm, doch von ungewöhnlicher Kraft und handwerklich begabt. Aufgrund seiner Behinderung ansonsten isoliert, freundet er sich mit Tatjana an. Doch die wird zwangsweise mit einem anderen verheiratet. Mit einem, den sie nicht liebt.

Die “барыня”, eine alte Witwe, ist launenhaft und herrschsüchtig.

Garassim findet eine kleine Hündin, den er “Mumu” nennt. Mit ihr verbindet ihn bald ein inniges Verhältnis. Doch die böse Herrin verkauft das Hundchen, welches aber wieder zu Garassim zurück findet.

Da befiehlt die Herrin ausgerechnet Gerassim, Mumu zu töten …


Apps

Der Screensaver knistert – es ist die Fireplace-App. Dazu garniert: Bob Dylan auf iTunes.

120120 Feuerstelle<knister><musik>

May you have a strong foundation
When the winds of changes shift
May your heart always be joyful
May your song always be sung
May you stay forever young …

</musik></knister>

Ich beschließe heute nichts anderes zu tun, außer das Feuerzeug zu schwenken.

Forever young, forever young
May you stay forever young …

Mitten in dies schöne Gefühl hinein klingelt das Telefon und Lenchen spürt sehr wohl, dass ich nicht gestört werden möchte. Sie schickt sich an, den Störenfried abzuhalten. Sprechmuschel zu – Rücksprache geflüstert.

“Es ist ein gewisser Wadim. Was soll ich ihm sagen?”

“Sag ihm einfach, ich sei betrunken!”

Was für eine geniale Ausrede fällt mir eben so ein! Glaubhafter kann es kaum gehen.

Ich bin trunken – YES! Und …

Forever young, forever young …


Das Märchen vom Zauberapfel

Vor vielen-vielen Jahren gab es hierzulande und andernorts nur sehr wenige Telefone. Die Menschen richteten sich entsprechend ein. Man traf sich regelmäßig zu gewissen Terminen, meist den Geburtstagen, sprach sich ab oder traf sich, einfach so, spontan.

Alle Menschen waren glücklich und zufrieden.

Das gefiel einem bösen Zauberer nicht. Eines Tages – крэкс, пэкс, фэкс! – gab er jedem Mensch dieses Landes ein Handy und machte sie via Zauberspruch die schöne Zeit davor vergessen.

Jeder konnte telefonieren, wann immer er wollte, jeder Mensch ward immer erreichbar, jedermann kam sich nun wichtig vor.

Nur ein tapfere Königssohn widerstand dem Zauberer.

“Ein Handy? – Brauche ich nicht!”

Einige Jahre vergingen einfach so, derweil der Königssohn als Sonderling galt.

Doch der böse Zauberer gab nicht auf. Jede Seele sollte seine sein.

Dreimal verkleidete er sich als Händlerin und bietet dem Königssohn unerkannt diverse Waren an, darunter auch einen Apfel, präpariert mit Gift. Und – увы! – der Königssohn ließ sich tatsächlich täuschen, insbesondere von dem schönen Design, dergestalt dass er ihn annahm und das Gift zu wirken begann. Nun hat unser Königssohn zwar ein Apfel-iPhone, braucht aber unbedingt dazu ein Apfel-iPad, einen Apfel-iMac, ein Apfel-iPod und vieles mehr.

Eines Tages geht der Königssohn zur zugehörigen Prinzessin und trägt seine Wünsche vor.

Diese weiß Rat:

“Unser iNkommen reicht nicht aus. Kaufe dir daher erst einmal einen iMer oder einen iR-Kocher – dann sehen wir weiter!”

Biddank an Nitrozac & Snaggy


Die Gretchenfrage erübrigt sich wohl

Sie will heute unbedingt in die Kirche, Heiliges Wasser zu holen. Immerhin ist heute der 19. Januar – Хрещення Господнє, die Taufe Christi.

Und: Ich solle sie bitteschön bringen.

Worauf ich keinen Bock habe.

“Normalerweise – also wenn schon, denn schon – musst du in die Havel hopsen. … Gott wird die Minimalvariante, das Alibi sozusagen, nie und nimmer akzeptieren. … Eine fromme Büßerin im PKW zur Kirche gebracht, wo gibt es denn so etwas? … Und überhaupt: Der Tauftermin ist durch nichts bewiesen. … Außerdem fliegen bei Frost keine Tauben.  … Glaubst du wirklich, dass das Heilige Wasser weniger wert sein wird, wenn du es erst morgen abholst?”

Weitere Argumente lasse ich folgen.

Was sie zornig macht.

“Wenn ich dich EINMAL um was bitte…”

Da höre ich sonderbaren Text im Ohr:

James Tissot - Faust and Marguerite in the Garden

“Mißhör mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
»Ich glaub ihn!«?
Wer empfinden,
Und sich unterwinden
Zu sagen: »Ich glaub ihn nicht!«?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?

Nun sollte sie antworten.

Am besten würde mir gefallen:

“Ungefähr sagt das der Pfarrer auch,
Nur mit ein bißchen andern Worten.”


Unverständlich

Почему вода мокрая? Почему Луна иногда показывается днем? Was machte der Liebe Gott den lieben langen Tag, bevor er die Erde erschuf? Und wenn ER – warum auch immer – die Entsendung eines Kindes für nötig hielt, wieso zum Teufel verschaffte ER bei dieser Gelegenheit nicht der ahnungsvollen Maria – bei all dem anstehenden Leid – nicht wenigstens (als Trost sozusagen) vorab, einen Orgasmus, der heute noch von sich reden macht?

Was wäre geschehen, wenn ES ein Mädchen geworden wäre? Встретим ли мы когда-нибудь инопланетян? Почему небо голубое? Was geschah vor dem Urknall?

Und:

Wer baute das siebentorige Theben?
Und das mehrmals zerstörte Babylon? …

… Alle zehn Jahre ein großer Mann – Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte …

So viele Fragen.


Traumfrau gesucht

Beim Zappen entdeckt: – Eine weitere RTL-Freak-Show.

Funktioniert wie eine Bohlenshow: Irgendwelche Loser haben die Idee, sie könnten singen, eine Traumfrau erobern oder irgendwas anderes, wofür man sie bewundern sollte, und werden beim Versuch, dies zu beweisen, gnadenlos einem hämischen TV-Publikum vorgeführt.

Wieso zum Teufel kommt ausgerechnet derjenige, der in Deutschland immer wieder mit dem Versuch, eine Frau zu erobern, scheiterte, auf die Idee, dass er in Russland oder in der Ukraine fündig werden kann?

“Die deutschen Frauen sind im Vergleich [sic!] zu den Russinnen viel zu emanzipiert.”

So das Vorurteil der Loser gegenüber der Kamera und als wäre ausgerechnet diese Annahme nicht schon absurd genug, stürzen sich diese Freaks ausgerechnet auf solche Frauen, bei denen sie – sollten sie ihnen in Deutschland zufällig über den Weg laufen – noch nicht einmal einen Blick riskieren würden, weil sie befürchten verlacht zu werden.

Lustig:

Elvis sucht Traumfrau

Elvis, arbeitslos und übergewichtig erscheint zu einem Date mit seiner “Traumfrau” in Strandkostümierung, wundert sich im Restaurant erst über die sonderbaren Speisen – “sieht aber gut aus” – dann ob der Rechnung Höhe, hat schließlich aber *grins* DIE Idee:

“Hast du was dagegen, wenn wir uns die Rechnung teilen?”

Das sei in Deutschland so übrig, erklärt der Bachelor seiner Traumfrau. Ohne Scham.

* * *

Bonusmaterial (das Traummänner-Quizz):

 http://asolf.wordpress.com/2008/02/17/ein-neues-forum-ist-eroffnet/


Spam

Sie will MICH! Sie will MICH!

Die Bilder sind von Profis gemacht. Hieran kann es keinen Zweifel geben.

Mindestens die Hälfte der Bewerberinnen würden es bei einer x-beliebigen Castingshow drei Runden schaffen, manche von ihnen hätte sogar Chance auf einen Sieg bei einem Mannequin-Wettbewerb.

Ihnen ist gemeinsam: Sie kommen aus Russland und geben vor, nur noch mit einem Elternteil zu leben, ein Kind versorgen zu müssen, einen deutschen Mann zu suchen. SIE WOLLEN MICH oder notfalls einen anderen Deutschen.

“Ich nicht sprechen fiel deutsch, wollen aber mit deutsches Mann fiel Gluck”

Was de facto verständlich ist, denn nur Deutschland liefert jenes Männermaterial was Frauenherzen – weltweit – höher schlagen lässt. Nur der deutsche Mann schätzt seine Kettensäge und hackt sein Holz auch bei Minusgraden mit freiem Oberkörper – nur in Deutschland ist man noch Mann!

Ausgerechnet meine E-Mail-Adresse geriet unter die Spam-Initiative russischer Heiratsschwindler – ausgerechnet ich werde nun mit Bildern von vorgeblich bindungssüchtigen Russinnen bombardiert. Bilder, die ich in den Spam-Ordner schieben könnte, denn ich ahne was folgt.

Doch irgendwie kann ich das nicht, noch nicht, mir bräche das Herz. So hübsches Material! So hübsche Anfragen!

Und überhaupt: Wegschreddern wäre zu einfach, solch hübschen Bildchen kann man vielleicht noch gebrauchen.

So fange ich an zu archivieren – und zwar mit preußischer Gründlichkeit.

Sie will MICH! 29 Anfragen auf das Zusammenleben mit einem Mann, dessen Bild die Damen nie sahen, dessen Alter, Texte, Namen, Leberwerte und – notabene! – Gewicht sie nicht kennen, liegen inzwischen vor. Wenn es stimmt was sie schreiben sind die Mädels in eine anonyme E-Mail-Adresse verliebt.

Unabhängig von der Ahnung zeige ich mit Stolz meiner Frau das Bildersammelsurium.

“Schau her, Geliebte – auch diese Damen wollen mit mir leben!”

Sie ist nicht allein.

* * *

Dies ist das Remake eines meiner Postings, und zwar vom 16.01.2010. Klickst Du hier, findest Du das Gleiche.


Emotionale kapitalistische Intelligenz

Volker Pispers (WP-Fotoredaktion-Hagen)

Volker Pispers weiß:

“Frauen verfügen über eine angeborene emotionale kapitalistische Intelligenz, denn sie kaufen zur Freude der Wirtschaft 20 Paar Schuhe, obwohl sie nur zwei Füße haben.”

Ich füge dem hinzu: Sie sind dabei auch noch lernfähig, denn sie wissen inzwischen, wie man frau mit einem Mann umzugehen hat, wie der zu einem Kauf zu bewegen ist. Erst lotste sie mich ins Stern-Center, weil irgendwelche Dokumente zu verschicken waren. Die Apostille machte sich auf den Weg.

Dann sagte sie beiläufig:

“Bei TK-maxx gibt es Hundetaschen für nur 3,49 Euro.”

Taschen für die Kackbeutel.

Selbst wenn man sich nicht anschickt, diese zu benutzen, hat man doch wenigstens etwas bei, um es vorzuweisen, sollte man ob der Hundekacke von einem Störenfried angesprochen werden. Einmal sei sie nämlich ermahnt wurden und mein Vorschlag in Gestalt einer Versicherung “Unser Hund kackt nie!” klinge – findet sie – nicht sonderlich glaubwürdig.

Jedenfalls begaben wir uns für Asterix zu T-maxx, wo zufällig – Überraschung! – zahlreiche Hosen hingen, sogar kolossal уцененные. Irgendein Schlussverkauf findet statt.

“Hier guckmal, Hose – nur 18,00 Euro!”

Als ob der Preis des Mannes Kriterium ist!? 18,00 Euro bedeutet doch nur, dass die Marge so hoch ist, dass man mit “nur” 18,00 Euro immer noch Gewinn macht.

Sie sah mein Gesicht und änderte die Taktik hin zur Ästhetik.

“Wie gefällt dir die? Oder die? Und guckmal da! Wäre das nicht was?”

Nee. DIE nicht! <übertreib>Baggy Pants</übertreib> an einem fast Sechzigjährigem, dazu vielleicht noch Hoodies?

Es war Zeit, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen.

“Wenn überhaupt – Dann kaufe ich mir eine Levis.”

1973 Meine erste JeansDenn nun überkam mich das Gefühl, welches vor einiger Zeit jene Versicherung vermittelte, deren Name nach Unterarm-Enthaarung klingt.

Das AXA-Gefühl!

Die Sehnsucht nach einer Zeit, bei der man sich keine Sorgen machte. Die – Sonderheit der Plenzdorf-Generation – mit Blue Jeans in Verbindung stand. Und – schwupps! – hatte sie mich dort, wo sie mich haben wollte: In der Umkleidekabine eines Jeansladens.

Wurde immer eifriger.

“Probiere nun die, oder die, die unbedingt auch …”

Plötzlich sah ich mich in die Ecke gedrängt, von acht anzuprobierenden Hosen umzingelt und geriet wütend. Da eilte ihr eine Verkäuferin zu Hilfe. Eine von der Sorte, die ihr Fach und etwas von nervösen Männern versteht.

Mit Hilfe von Intervallschachtelung kamen wir – die Verkäuferin und ich – schließlich zu einem Ergebnis.

“DIE nehm ich!”

Woraufhin die Verkäuferin einen direkt an mein Unterbewusstsein adressierten Satz sagte:

“Wenn sie zwei nehmen, erhalten sie 15,00 Euro geschenkt.”

Gutes Gefühl: Statt einer Hose habe ich nun zwei. UND darüber hinaus auch noch 15,00 Euro, die ich vorher nicht hatte. Wäre vielleicht ein Geschäftsmodell – einkaufen und dabei Geld verdienen.

IMG_0115

* * *

Zu Hause stelle ich fest: Obwohl ich vor Jahren deutlich abnahm und seither das Gewicht halte, bin ich offenbar doch dicker geworden. Obwohl nur 40 Jahre zwischen den Hosen liegen.

Erst dachte ich auch noch ich sei inzwischen kürzer geworden, aber – fiel mir dann ein – die überschüssige Länge schnitt ich seinerzeit ab, um coole Flicken draus zu machen.


Neusprech

Einmal hin – alles drin!

Natürlich ist 1201 Neusprech realFalschbepfandung das Gegenteil von Richtigbepfandung – soweit ist alles klar. Aber was zum Teufel ist das Gegenteil von einzeln einzugebenden Club-Mate-Kästen: Gemeinsam eingegebene Kästen oder Doppelkästen?

Erfolgt die Falschbepfandung nur bei Club-Mate-Doppelkästen?

Wie wercht man zwei Kästen gleichzeitig in die Richtig-bepfandungskastenluke des Bepfandungsautomaten?

Uuund: Sind die neuen Worte von Neusprech überhaupt richtig gewählt?

Viel zu lang sind sie, <gag>bepfinde</gag> ich nun. Warum nennt man das Dingens zur Leergutannahme nicht einfach Pfandmaschine, abgekürzt Fandy, gesprochen Pfändy?

Neusprech macht innovativ.


Murphy’s Law

“You will always find something in the last place you look.”

Gut zu wissen.

So machte ich mir auch zunächst keine Sorgen über die Kopfhörer, die verschwunden waren. Irgendwann kommt jeder Mensch zu seinem “last place”.

Aber so lange wollte ich dann doch nicht warten, ging in einen Geizladen, kaufte neue, ging zum Parkdeck und entdecke: Die verschwundenen Hörer liegen immer noch in der Beifahrersitzritze.

Geil ist geil!

Dann soll es wohl so sein. Offenbar ist die Zeit gekommen, Murphys Gesetze zu ergänzen:

<Glühbirne>Kaum hat man einen Gegenstand gekauft, um einen verlorenen zu ersetzen, findet sich derselbe wieder an. </Glühbirne>


Worte der Jahre

“Wutbürger” (2010) war einmal Wort jenes Jahres.

Mich machte die Wahl als solches staunen. Weil: “Wutbürger” hätte ich, wie seinerzeit Horst Dieter Schlosser, eher als Unwort des Jahres charakterisiert.

Schlosser bezeichnete den Begriff Wutbürger als diffamierend, denn dieser impliziere, dass die Triebfeder seines Handelns nichts als Wut sei, was das Engagement des Bürgers abwerte. Schließlich handele der Bürger wohlüberlegt, wenn er für seine Rechte einstehe und nicht aus blinder Wut heraus. (Wikipedia)

Nun also “Stresstest” und mir bleibt zu konstatieren, dass das “Wort des Jahres” weniger über das Wort als solches aussagt, als vielmehr über die “Gesellschaft für deutsche Sprache” und wer die mehr oder weniger clevere PR-Aktion erkannt hat, wird weder dem Wort noch dem Unwort der Jahre Bedeutung beimessen.

So – Ätsch! Ab nun gilt mir nur meine eigene Liste der Sprüche.

—> Spruch des Monats Januar 2012 (unvollständige Liste):

- “Einen Wulff durchs Dorf treiben.” @Blogger_S via Facebook
- “Das Internet vom Tisch nehmen.” @Lenchen live
- “Ich möchte auch mal was im Fernsehen erklären” @mogelpony via Twitter

Sie, die GfdS, hatte bereits ihre Chance.

—> Nominiert für 2011

“Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen. Ich kann deine Scheiße nicht mehr hören.” @Pofalla live


Ehe-Battle

Die Überschrift fand ich erst a bissel blöd, weil zweisprachig. Vielleicht könnte “Marriage-Battle” besser klingen, dacht ich erst, verwarf es dann wieder. Gelangte dabei auf die Wikipedia, las

“Marriage is a social union or legal contract between people that creates kinship

und bemerkte anschließend, dass ich mich verlesen hatte. “Kinship” brachte ich nämlich aus irgendeinem Grunde mit “Kindheit” in Verbindung, was natürlich falsch ist, ABER ORIGINELL. Ehe wäre demnach eine Sozialunion zur Gestaltung der Kindheit.

Hach ja – und wenn es so wäre, wäre es gut. Ehe würde somit nahtlos an die Wilhelm Busch’sche Definition von “Liebe” anknüpfen. “Liebe”, schrieb Busch einst, “ist die unbewusste Sehnsucht, zu zweit ein Drittes zu bilden, dass dann besser sein soll, als man selbst”. Oder so ähnlich.

Aber – Ihr ahnt es sicher schon – hierum geht es nicht. Es ist schließlich ein “Diary”, ein Journal sozusagen, ein “дневник”, “щоденник” …

Jedenfalls fragte sie heute früh, was ich für Pläne habe. Wobei ich sofort kapierte, WORUM es ihr ging. Mit solcher Frage stecken Verheiratete ihren Claim an notwendigen Verantwortlichkeiten ab, definieren ihre Pflichten, um sich hieraus möglichst viele Rechte abzuleiten.

Präventiv gebe ich daher zu Protokoll:

“Erst werde ich mit jenem Hund spazieren gehen, den Du Dir immer gewünscht hattest, für dessen Gassi Du aber selbst nur selten die erforderliche Zeit findest. Anschließend will ich rasch zur Tanke, Auto waschen, damit ich Dich in einem sauberen Auto zum Einkaufen bringen und wieder abholen kann. Und schließlich muss ich noch FÜR DICH dieses und jenes Telefonat erled…”

“Donnerwetter – das hört sich ja an, als ob alle Arbeit nur auf Deinen Schultern verankert ist!”

<pause>~~~</pause>

“Und was ist mit der Küche?”

Gut ist, wenn man gewisse Argumente bereits kennt oder ahnt.

“Du willst Dein Hobby in unsere eheliche Pflichtenbilanz einbringen? Das wäre ebenso, als würde ich behaupten, dass mich Computerspiele belasten oder das Fernsehen anstrengt.”

Das findet sie komisch. Und macht mit einer einfachen Wiederholung, mein ganzes Konstrukt kaputt.

“Ja, lustig. Nun aber Spaß beiseite – WAS HAST DU HEUTE FÜR PLÄNE?


Starij Nowij God

Alte Feste – Neue Freunde

Noch habe ich keine richtige Überschrift, da braust bereits das Neujahrsfest heran. Immer an jedem 13. Januar feiern wir Altneujahr, besser: “Старый Новый год”, das Fest, um ein neues Jahr zu begrüßen. Es ist das Neujahrsfest nach dem Kalender alten Stils, der – wir wissen es natürlich – bis zum 31. Januar 1918 in Russland galt. Irgendwann in dieser Zeit wurde der russische Kalender durch den Rat der Volkskommissare revolutioniert neu dekretiert.

Совнарком 1918

 

Dementsprechend (nach diesem Dekret) folgte dem 31. Januar 1918 der 14. Februar.

Tradition ist wenn man’s trotzdem macht. Hoch die Tassen! Was kümmert uns der Sownarkom?!

<notizen>

(1) Bei dem klassischen Oxymoron “Старый Новый год” wird “год” klein geschrieben.

(2) Auf dem Bild von dem ersten “Rat der Volkskommissare” (Совнарком) befindet sich Stalin aus Betrachter Sicht rechts, stehend, neben Lenin (Mitte). So fotografiert kann man erkennen, dass Stalin zu Beginn seines Wirkens, vor den Massenmorden, tatsächlich so etwas wie ein Sekretär des Rates war. Zuständig für allen möglichen Krimskram und so bedeutungslos, dass man es nicht für nötig hielt, IHM für ein historisches Foto einen Stuhl zur Verfügung zu stellen.

(3) Da das Foto an die verschiedensten Darstellungen vom Letzten Abendmahl der Verkünder des Wortes erinnert, darf die Frage gestattet sein, wer von den bildlich Dargestellten wohl später eines natürlichen Todes starb.

(4) Putin ist der erste Politiker der Neuzeit, der an die Praxis der Zeitdekretierung anknüpft. Er schaffte nämlich unlängst per Ukas die russische Winterzeit ab, weshalb man nun das Alte Neujahrsfest in Russland nicht zwei, sondern drei Stunden früher feiert wird, als in Europa.

</notizen>

Jedenfalls haben wir inzwischen einige neue Freunde, die ich, der Hausherr, in Lenchens Auftrag einlud und zum Neujahrsfest am 13. Januar gibt es unter anderen Speisen auch Hammelfleisch. Worauf ich mich freue.

Prost Neujahr!


(M)ein Münchhausen-Syndrom

Eine gewisse nachvollziehbare Dramatik ist beiläufig in einem Film erfasst, der einst von von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels himself, aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Ufa-Filmstudios in Auftrag gegeben wurde. Sie – diese Dramatik – zu erleben ist Sonderheit. Oder in gewisser Weise Unglück.

120110 MuenchhausenWie man es auch nennen mag – dem Film über den Baron Münchhausen aus dem Jahre 1943 ist eine von der Vorlage aus dem “Vademecum für lustige Leute” abweichende Handlung beigefügt. Der Baron warnt nämlich den Zauberer Cagliostro vor einer drohenden Verhaftung und erhält dafür – aus Dankbarkeit sozusagen – von diesem die ewige Jugend. Was, wenn man wirklich liebt, und mit seine(m|r) Partner(in) alt werden möchte, ziemlich blöde ist. Wer ewig jung bleibt, findet irgendwann innerhalb der eigenen Generation keine Themen mehr.

Schließlich hat auch der Münchhausen des 1943er Filmes …

“… die ewigen Jugend satt, gibt diese freiwillig zurück und altert schlagartig. Seinem Wunsch gemäß kann er nun zusammen mit seiner Frau alt werden.” (Wikipedia)

In gedanklicher Fortsetzung jener Handlung wird also dieser Baron ebenso muffig, spießig, starrsinnig und unneugierig wie alle anderen seiner Zeitgenossen auch. Bastelt von da an regelmäßig Fotoalben, nervt die Umwelt, weiß alles besser und ist egozentrisch, wie alle anderen auch…

* * *

Soweit war ich im Text gekommen, da kommt ein Wanderer des Weges daher Lenchen zur Tür herein. In der Hand hält sie eine Gitarre.

“Mily, guckmal, – Ich werde nun das Gitarrespiel erlernen!”

Nun bin ich es, der überrascht ist.

“Gitarre lernen? Wozu?”

Ist sie DAZU nicht ein bisschen zu alt?


QR-Codes und uralte Texte

Bild-und-Text-Möhlen – sozusagen.

Manches war seinerzeit wirklich komisch. So – beispielsweise – als wir 2005 nach Deutschland kamen, von den Eingeborenen als Ausländer identifiziert und sofort verdächtigt wurden, gegen die schöne deutsche Ordnung verstoßen zu haben.

Unabhängig davon – mit einem QR-Code wird ein Posting spaßig.

Guckst Du:

Chund gejault

(Man muss nicht unbedingt scannen, man kann auch traditionell mit der Maus aufs Bild klicken. Oder auf diesen Text.)

Am Wochenende war ich schöpferisch – und verplemperte dabei unendlich (viel)2 Zeit.


Missing Link der Evolution

Das Ergebnis des Postings steht bereits in der Headline – Es geht um Dankbarkeit.

Im Russischen gibt es hierfür zwei Vokabeln “благодарность” und “признательность”. Die am häufigsten verwendete Vokabel “благодарность” setzt sich aus “благо” (Wohl oder Nutzen) und “дар” (Gabe, Spende, Geschenk) zusammen, was eigentlich “wohlgebend” bedeutet und somit diese Eigenschaft als Sonderheit beschreibt.

Der Dankbare ist demnach ein Wohlgeber, insbesondere gegenüber demjenigen, dem er Dankbarkeit schuldet.

Dankbarkeit ist ein Missing Link der Evolution, was man leicht daran erkennen kann, dass es immer mehr in Vergessenheit gerät. Es ist der Menschheit nicht überlebensnotwendig. Jeder Mensch bekommt seine Nahrung auch so, entweder hat er sich’s verdient oder von Amts wegen. Einer der häufigsten zwischenmenschlichen Vorwürfe ist, “undankbar” zu sein.

Anders die Hunde. Denen ist Dankbarkeit genetisch vorgegeben, denn niemand erklärt ihnen, wie das Schwanzwedeln funktioniert. Die HundInnen machen es “einfach”, zeigen Dankbarkeit mit ihren Schwänzen und werden somit zum Wohlgeber.

Was im Übrigen dem Hund und seinen Nachfahren das Überleben sichert, denn wären Hunde undankbar, hätten wir sie längst aus unseren Haushalten vertrieben. Es gäbe heute vielleicht mancherorts noch einen kleinen Hundezoo, in welchem sich Menschen diese undankbaren Viecher kurz vor deren Aussterben noch betrachten können – das wäre es aber schon.

Wahrscheinlich macht Mangel an gegenseitiger Dankbarkeit sogar mehr Ehen kaputt, als das Fremdgehen, Alkohol oder Verschwendungssucht. Undank ist bleibt der Welten Lohn. So sitze ich grübelnd: Hat sie einfach noch nicht bemerkt, dass das Wohnzimmerfenster geputzt ist oder ist sie plötzlich undankbar geworden?


Enkelkindergeschichten

Man sollte Enkel aufs Leben vorbereiten.

Am besten Gut könnte das mit Gutenachtgeschichten gehen, was – wir wissen es – bereits funktionierte, noch bevor die Grimm-Brothers Notiz davon nahmen.

Wie wäre es heute mit dem Märchen von der geklauten Zeit?

Vor vielen-vielen Jahren lebte einmal ein König Bürgermeister in einem Land einer Stadt, in welcher, statt mit Gold oder Geld, wie heutzutage üblich, mit Zeit abgerechnet wurde. Dergestalt dass, sobald in diesem Land Produkte getauscht werden sollen, man einen Maßstab bestimmte, in welchem nach genauem Zeit-Verhältnis getauscht wurde. Wollte man Spindeln gegen neue Kleider tauschen, erfuhr man anhand der zur Herstellung derselben aufgewandten Zeit, wie viele Spindeln gegen ein Kleid zu tauschen sind.

Man konnte in dieser Stadt auch Zeit gegen Dank tauschen. Man gab – sollte man etwas Zeit übrig haben – den Bedürftigen, derer Gegenleistung aus Dankbarkeit bestand. Ein Win-Win-Geschäft, weil Dankbarkeit zu erheischen, jeden Zeitspender glücklich machte.

Alle Städter lebten lange, glücklich und zufrieden, bis eines Tages – Blitz!, Donner!! – *grummel-grummel* böse Zeiträuber das Land diese Stadt unsicher machten. Die klauten sich einfach die Zeit anderer Leute, um sich einseitig zu bereichern, denn den Dank dafür, hielten sie zurück.

Hierfür gingen die Zeiträuber manchmal auch listig vor. Manchmal buken sie einfach einen Kuchen, versammelten Leute zu einem Fest, nur um dabei deren Zeit zu klauen. Stundenlang erzählten sie den Genervten immer wieder die gleichen Witze oder verlangten andere Dinge, die ebenfalls viel Zeit kosten.

Die Leute der Stadt wurden immer unglücklicher, weil sowohl der Dank ausblieb, als auch jedermann von da an bestrebt war, sich die Zeit, die man ihm stahl, bei anderen zurückzuholen.

Von nun an, geschieht es wie bei Nimmerklug in Sonnenstadt:

“Тем временем город постепенно втягивается в хулиганский беспредел.”

Das benehmen der Menschen ward immer rowdyhafter. Doch in der ausweglosesten Situation – крэкс, пэкс, фэкс! – kommt ein Zauberer Ritter Blogger des Weges daher und bringt alles in wieder in Ordnung.

* * *

Wenn alle nicht gestorben sind, sind sie heute noch dankbar.


Recht im Unrecht

Eine Patchwork-Decke zusammenhangloser Gedanken

“Wer vieles wagt, ist bei den Menschen im Recht. Wer auf das meiste spucken kann, der ist ihr Gesetzgeber, und wer am meisten wagt, genießt die meisten Rechte!”
Fjodor Dostojewski, Schuld und Sühne, bzw. Verbrechen und Bestrafung

Time-out um nachzudenken.

Wie immer in solchen Fällen legte ich mich auf die Couch, sprach mit Mir und ging es zurück zu dem, was mich einst, als Kind, beeindruckte. Wurde bereits bei den alten kitschigen Filmen fündig:

Zum Beispiel “Spartakus” (1960): Kirk Douglas verhandelt mit irgendwelchen Piraten. Sie könnte die Überfahrt bezahlen, aber “Warum sollte ich euch helfen? – Ihr seid doch Sklaven!?”. Und Spartakus antwortet im Hollywood-Pathos: “Wir sind es nicht, wenn wir gewinnen.”

Zum Beispiel “Der Graf von Monte Christo” (1961):  Louis Jourdan hört Geräusche. Diese stammen von dem Gefangenen Abbé Faria, der dabei ist, einen Tunnel zu graben, sich aber in seinen Berechnungen irrt. Und so stehen beide in Dantès’ Zelle – verurteilt. Der eine weil er – vorgeblich – für Napoleon war, der anderer, weil er gegen ihn war. Unrecht und Unrecht – Kerker an Kerker, doch der Zuschauer weiß: beide sind irgendwie im Recht.

Scannte im Weiteren mental das “Narrenschiff”, den “Woyzeck”, das “siebte Kreuz” und vieles mehr. Recht ist offenbar ein immer wiederkehrendes Thema in der Kunst. Jeweils fühlen sich Protagonisten der Handlungen im Recht gegenüber den Gesellschaften, in denen sie leben. Gegenüber den Verhältnissen sozusagen.

Kunst ist manchmal einfach. Stets Oft weiß der Rezipient: Diese Gesellschaft liegt schief.

<fragment>Seit Bucharin, Radek und Genossen von Stalin der Prozess gemacht wurde, wissen wir, dass es sogar machbar ist, dass ein Unschuldiger, der zu Unrecht angeklagt, sich selbst sogar beschuldigen kann und zwar auch dann, wenn das Urteil bereits feststeht und eine Selbstbeschuldigung nichts ändern kann, so lange Pfeifenqualm hinter einem Vorhang hervor dringt.</fragment>

Aber auch das wirkliche Leben namens “Real Live” strotzt voller Fehler. Insbesondere, wenn es um Recht geht.

<fragment>Rechtsprechung aus boshafter Willkür oder willkürlicher Boshaftigkeit, wie zum Beispiel gegenüber Michail Borissowitsch Chodorkowski in Russland oder Julija Wolodymyriwna Tymoschenko in der Ukraine.</fragment>

Ob Recht und Unrecht klar zu unterscheiden sind ist auch in Deutschland unklar. Damals wie heute. Auch unter den Siegern des 2. Weltkrieges. Teilweise skurril: Unschuldig – “NICHT SCHULDIG!” – glaubten sich ein gewisser Herr Speer, wie auch seine Mitstreiter, lange nach den Detonationen des letzten großen Krieges.

Feldmarschall Paulus geriet sogar – für die Sowjetunion! [sic!] – zum Zeugen der Anklage, wurde später von der vorgeblich antifaschistisch-kommunistischen DDR mit einer Pistole ausgestattet, wie auch mit Personal, mit Dienstboten, die wiederum den Verlierer von Stalingrad in dessen Dresdner Villa mit “Herr Feldmarschall” anzureden hatten, statt mit “Genosse Paulus”, wie es – wenn schon, denn schon – seine Richtigkeit hätte.

<fragment>Bei “Eff Zwo” hatte eine Schnupftabakdose über Recht und Unrecht zu entscheiden. Friedericus eroberte Schlesien, gewann einige Kriege, überlebte und wurde, ob des zweifelhaften Erfolges, schließlich zum Großen. Wir wissen, wäre es schief gegangen, wäre er einer der vielen Bösen, ein Loser, und Potsdam wäre wohl katholisch.</fragment>

Die DDR war ebenso voller Unrecht wie in der “Wende” und alles was danach kam.

Heute – nur ein kleines Beispiel – kopiert ein gewisser Kevin Müller einen Film auf CD, um sein kümmerliches Hartz-IV-Salär aufzubessern, wird von einem Staat als Raubkopierer gebrandmarkt, der allerdings selbst geklaute Daten-CDs aus dubiosen Quellen kauft.

Was in Deutschland Recht oder Unrecht ist, beurteilt jeder Steuerzahler auf seine Weise.

So haben wir also gelernt, lernen müssen, dass das Recht auf Ihrer Seite ist. Was nach unserer Auffassung nicht unbedingt bedeutet, dass dies auch rechtens ist. Ob Sie wirklich eine richtige (im Sinne von gute) Entscheidungen getroffen haben, können Ihnen und uns erst die Nachunskommenden sagen, die eine Vergangenheit zu beurteilen haben.

(Siehe Entwurf für einen Brief an ein Finanzamt)

Jedenfalls ließ ein Präsident namens Wulff seine Handlungen von angesehen Anwälten werten, die – Überraschung! – daran nichts Unrechtes feststellen konnten. Neutralos rätseln derzeit: Ob ein Verstoß gegen ein Gesetz vorliegt, kann nicht beurteilt werden, weil die Umstände des Kreditgeschäfts unbekannt sind.

Rein rechtlich wird man es nie wissen können.

————

Unterm Strich steht immer die Moral.


Denke nach …

Geschlossen eröffnet


Windhundrennen

1201 Windhundrennen

Auf der Rennbahn starten die Hunde aus Boxen auf einer festen Bahn mit Gras- oder Sandoberfläche. Sie laufen dem künstlichen Hasen hinterher, einem von einer technischen Vorrichtung geschleppten Dummy, der den Hetztrieb der Hunde anregt. Da Windhunde – anders als die meisten anderen Hunderassen – primär auf Sicht jagen, ist vor allem die Bewegung des Objektes entscheidend, nicht sein Geruch oder sein Aussehen. Häufig besteht der Hase einfach aus einem Bündel Flatterband. (Wikipedia)

Der künstliche Hase kann auch ein Wulff sein, als technische Vorrichtung können wir für dies Gleichnis Kai Diekmann gelten lassen.

Von der Journaille getrieben macht der arme Wulff nun einen Fehler nach dem anderen. Nun dürfen wir entweder eine Ehrenwort-Pressekonferenz erwarten (“Niemand hat die Absicht, Kai Diekmann zu kränken” – “Der von mir erheischte Vorteil ist kein Plagiat!” – “Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!”) oder einen schnöden Rücktritt.

Hoch ist hier Herr Schröder zu loben. Der sitzt inzwischen fest in einem Gazprom-Tower und lächelt milde auf uns herab. Seinerzeit hat der Sozialdemokrat alles richtig gemacht: Erst kommt ein inszenierter Rücktritt, UND ERST DANN die Vorteilsnahme durchs Amt.

Lupenrein cool.


Die Macht der Bild-Zeitung

Ohnmacht eines Staatsoberhauptes. Alles wird nun vorgepolkt. Von “Krieg führen” sprach der Präsident aller Deutschen. Wütend stellte er fest, dass “der Rubikon überschritten” sei.

Dabei ist das – unabhängig von der Emotionalität eines Wutausbruchs – doppelt komisch, denn Krieg führen kann auch ein Präsident nur dann, wenn er gleichwertig bewaffnet. Und die Überschreitung des Rubikon brachte demjenigen, der ihn überschritt, einen großen Sieg.

020103 Kaiser neue Kleider

“Aber er hat ja gar nichts an!” sagte endlich ein kleines Kind.

“Hört die Stimme der Unschuld!” sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

“Aber er hat ja gar nichts an!” rief zuletzt das ganze Volk.

Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: Nun muss ich aushalten. Und …

… Peter Altmaier ging in alle Talkshows und trug die Schleppe, die gar nicht da war.

Ach übrigens: Die Kriegserklärung, die der Präsident am 12. Dezember 2011 auf dem Anrufbeantworter von Bild-Chef Kai Diekmann hinterließ, veröffentlichte nun nicht etwa das Boulevardblatt selbst, sondern die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die Journaille ist sich also einig. Man hält zusammen. Vierte Gewalt. BILD könnte nun sogar den neuen Präsidenten stellen, einen Kanzler, jeden Minister sowieso. Es geht nichts mehr ohne Diekmanns Wohlwollen, bei uns, in BILDerland.

Die Geschichte mit dem Rubikon hatte – wir erinnern uns – eine bekannte Fortsetzung. Wovor der Seher Titus Vestricius Spurinna den Protagonisten mit den Worten: “Hüte dich vor den Iden des März!” warnte.


Klingeltöne

Mein iPhone klingt wie ein altes Telefon.

Das wollte ich so, weil selten so gehört. Originell erschien es mir ebenfalls.

Ein Telefon sollte – ob schnurlos oder nicht – nach Telefon klingen.

Eben geschehen: Handy klingelt und Lenchen stellt fest, dass neuerdings offenbar alle [sic!] Mobiltelefone so klingen wie meines, besonders die der Russen. Offenbar eine neue Mode…

Eine Mode? – Nee!

Weshalb ihre Anrufe an mein Phone ab sofort nach Wagner, dem Ritt der Walküren, klingen.


Apropos Tradition …

Inzwischen treffen sich mein Kumpel und ich in unregelmäßigen Abständen zwar, aber doch immer wieder in der selben Kneipe. Zum Quatschen.

Tage vorher rief er an, geriet an Lenchen:

“..und sage ihm bitte: Am 1. Januar, 11:00 Uhr, am Alex, Aufnbier.”

“Aufnbier” interpretierte sie entsprechend ukrainischer Lesart. Lieferte mir einen dementsprechenden Kommentar:

“Wie (leichtgläubig|vertrauensselig) Ihr Deutschen doch seid: Ein Ukrainer würde nie, sollte er sich anschicken, Alkohol zu trinken, einer oder seiner Ehefrau den genauen Ort und den Zeitpunkt verraten.”

Ja. Klar.

Aber zwei Ukrainer könnten auch nicht Aufnbier zusammensitzen. Die gehen nämlich erst dann auseinander, wenn eine Flasche Wodka leer. Oder Gorilka, je nachdem, ob man sich östlich oder westlich vom Dnipro trifft. Deutsche dagegen bestellen sich jeweils nur ein Bier nach dem anderen, reden sich aus sich heraus, oft sogar aneinander vorbei.

Jede Menge Autos hat er verkauft, im Dezember, und wenn er Glück hat, geht das im Januar so weiter, vielleicht sogar bis in den späten Februar hinein. …

Glück?

You look at any giant corporation, and I meen the biggies, and they all started with a guy with an idea, doing it well. (Irvine Robbins)

Fiel mir einfach so ein und so erzählte ich ihm von der letzten Migrantenkonferenz, da ein kleiner Bürger aus Bangladesch auftrat, der einst nach London migrierte, dort einen Gebrauchtwarenhandel installierte, via Internet und allein durch seine Webseite zum Marktführer geriet.

“Mehr als 140 Fotos von jedem Wagen, jedes Detail, im Netz unauffällig in Szene gesetzt. Die Investition zunächst nicht in eine Werkstatt oder Garage, sondern in ein Fotolabor. Hübscher Hintergrund. Natürlich – ich habe sie mir angeguckt – ist die Website übersichtlich …”

“Internet? –> Nee! Die Leute wollen gucken, gegen Reifen treten, Türen bumsen – dann koofense och.”

“Bevor sie kommen um zu bumsen, haben sie sich doch bereits a bissel entschieden. Und bei Mobile-de kann man nur über den Preis gewinnen, der jede Marge verringert – doch bei besagtem Bangladeschi kauft man auch Geborgenheit.”

Daraufhin wollte er wissen, wie viele Autos ich bereits verkauft habe – Das war der Joker!

Wie bei Mau-Mau wechselte das Spiel von da an schlagartig die Farbe. Okay. Also Weihnachten, “Holiday on Ice”, Freudentränen beim Schenken standen sich Baumarktgutscheinen gegenüber, dann war auch schon im Wesentlichen alles gesagt.

Wir zahlten und gingen auseinander.

Zu Hause angekommen, staunte meine Frau:

“Du bist ja nüchtern?! Habt Ihr Euch etwa gestritten?”

Ja und nein.


Der 90. Geburtstag–Dinner for One

Wir wissen es längst: Der gleichen Zeit folgt stets der gleiche Witz. Unvermeidlich wie Klopapier. So wie vor Weihnachten stets der Joke mit dem Wort, welches vier “tz” enthält, fällig ist – “Atzventzkratzkertze” – folgt an jedem Neujahr die Frage, ob man gut reingekommen sei, ins neue Jahr.

“… unn nicht dassde noch im alten Jahr zurückgeblieben bist!?”

So als ob es eine Zeitmaschine gäbe.

Außer Witzen ist alles andere in Bewegung. Panta rhei –> Man kann zwar nicht zweimal in den selben Fluss steigen, aber man kann sich stets die selben Witze erzählen.

2000 an der Tanke

DEA ist heute Shell, zumindest an der Michendorfer Tanke. Und der Benzinpreis veränderte sich deutlich schneller als körperliche Äußerlichkeiten. Vor zehn elf Jahren tankte ich für 1,84 DM, dafür war ich aber auch dicker. Die Haare dichter, die Erfahrung geringer…. – Aber nicht doppelt so dick, nicht doppelt so dicht und nicht doppelt so unerfahren wie ein Benzinpreis.


Not macht den Schlüsseldienst erfinderisch

Plötzlich – überraschend – fühle ich mich an zwei Erlebnisse erinnert, die jeweils mit einem Schlüsseldienst in Verbindung stehen.

Einmal – wir wohnten damals noch in Sachsen-Anhalt – kam ein Dienst, öffnete in einer Minute die ehemals zugebumste Wohnungstür und offerierte hierfür eine Rechnung mit diversen Anfahrtswegen, Sonntags- und sonstigen Zuschlägen, dergestalt dass die Rechnung schließlich 276 Euro betrug, die sofort zur Zahlung fällig waren. Was im Übrigen einem Stundenlohn von 16.560 Euro entspricht. UNVERSCHÄMT, wie ich heute noch finde. Not macht tatsächlich erfinderisch.

Zwei Jahre später – gleiche Situation andernorts. Diesmal in Potsdam.

“Nie wieder mit mir solch Preiswucher”, dachte ich während des Öffnens und zu dem Monteur sagte ich hinterher:

“Ich halte 80 Euro für angemessen. Mehr bin ich nicht bereit, zu zahlen.”

Woraufhin der Mann protestieren wollte. “Aaaber…”

Doch er fand eine mental zum Angriff vorbereitete Festung vor:

“Das Aber können Sie gern einklagen. Nehmen Sie sich einen Anwalt und ziehen Sie vor Gericht!”

Was hierauf folgte, war Rache pur.

Zwei Tage später war unsere Wohnungstür mit einer klebrigen Pampe verschmiert, die uns zwang, das Schloss erneut auszutauschen, was aber letztendlich immer noch billiger kam, als dem “Dienst” die Fantasie zu befriedigen. (Ich wiederhole mich gern: 80 Euro halte ich für das Öffnen einer Tür, so es unkompliziert möglich ist, für angemessen.)

Normalerweise hätte ich nach der Schmiererei an unserer Tür dem Schlüsseldienstauto die Reifen zerstechen müssen, woraufhin der wiederum wahrscheinlich einen Ziegelstein – … na und so weiter, bis zur alljährlichen Hauptversammlung im Seminole Ritz.

Schließlich gab ich nach, verzichtete auf eine Reaktion. Holte mir statt dessen diverse Schlüsseldienst-Angebote ein, speicherte Notrufnummern und weiß nun, an wen ich mich wenden kann, sollte uns erneut solches Missgeschick passieren. Und – Wunder! – seither passierte nichts dergleichen.

* * *

Sitze ich also beim allmorgendlichen Brainstorming und frage mich für sie hörbar:

“Was kostet eigentlich der Tod? …”

Ist es nicht vielleicht wie mit einer zugbumsten Tür? Als Kunde weiß man nicht, worauf es ankommt und wird dafür gnadenlos abgezockt.

! – Ich sollte mir endlich Angebote einholen, vielleicht sogar eine Inschrift in Auftrag geben – !

“ … Wie gefällt Dir der Spruch “Starb. Ja. Und?”? Und hast Du Dir einmal Gedanken gemacht, was auf Deinem Stein … ?”

Weiter komme ich nicht. Sie holte das Wort “Pietät” aus dem Ärmel, knallte es mitten ins Gespräch und erstickt somit jeden weiterführende Gedanken.

Pietät öffnet dem Wucher Tür und Tor” maule ich und ziehe mich zurück.


Schnongse aus Kasachstan

Eine Freundin war dort und brachte Mischkas mit. Eine Art sowjetischer Schokoersatz, süßlich schmeckend. Ekelhaft für Menschen mit normalen Rezeptoren.

“Bitte! Bediene Dich!” – Nee, danke!

Russendisko 1989Doch ich kann schreiben was ich will, Lenchen bleibt beglückt. Die Freundin liefert den Geschmack einer nie wiederkehrenden Zeit. Hach, schön war es auch in der UdSSR, trotz Mangel, Defizit, Schokoladenersatz.

Oder vielleicht sogar DESHALB?

Und – nicht zu vergessen – es  war Jugend. Damals.

Das jedenfalls kann man jede Sozialismus zugute halten: Je kleiner das Angebot, desto größer die Freude über Ergattertes. Eine Freude, die – stelle ich fest – jahrzehntelang anhält.


Relativität der Einfachheit

Lenchen Ehe Legal0006Früher, also vor vielen-vielen Jahren, war das so:

Man heiratete eine Ukrainerin. Einfach so.

Doch damit gegenüber den ukrainischen Behörden alles seine Gültigkeit hat, bedurfte es diverser Nachweise.

Man benötigte zum Beispiel von der zuständigen Landesverwaltungsbehörde eine Bestätigung, dass der Stempel des untergeordneten Standesamtes gültig ist und dass es eine Standesbeamtin des Namens der Unterschrift auch wirklich gibt. Gleichzeitig hatte man sich zum zuständigen Landesgericht zu begeben, um aus einer Liste einen zuständigen – registrierten – Dolmetscher zu finden, der den Text ins Ukrainische übersetzte, was anschließend von jenem Landesgericht abgestempelt und dem zuständigen Ministerium für Justiz gegengezeichnet werden musste.

Mit allem Sammelschrumms begab man sich zur Ukrainischen Botschaft, die wiederum die Unterschriften, insbesondere aber die Stempel der Landesverwaltungsbehörde und des Ministeriums für Justiz über-über-beglaubigte.

Lenchen Ehe Legal0010Erst von da an, sah sich Lenchen auch in ihrer Heimat gültig verheiratet.

* * *

Neulich war sie in Kiew, doch ohne erläuternde Erklärung wies man sie ab.

“Das ist inzwischen alles-alles ungültig. Sie brauchen von nun an immer eine Apostille!”

Vier Wochen Rätselraten. Was kann gemeint sein? Dabei lieferte sie mir zahlreiche Vorschläge, von denen manche mich wütend machten.

“Kannst du nicht hierhin oder dorthin? Vielleicht haut irgendein Notar eine Apostille auf allen Kram?”

(Ich) Das ist doch alles unlogisch! – (Sie) DU IMMER MIT DEINER LOGIK!

Immerhin glaubte ich, wir hätten bereits alles geliefert – doch sie braucht eine Apostille. Der Karren schien festgefahren.

Glühbirne   Bis wir es endlich – googleseidank – verstanden   Glühbirne:

Am 3. 11. 2010 trat die Ukraine der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht bei, die den Umgang mit Dokumenten gegenseitig, also zwischenstaatlich, stark vereinfachen soll. Von alledem was früher wichtig, ist heute nichts mehr nötig. (OMG, bin ich aber wieder aphoristisch! Wäre ich Kanzlerin, würde man das zitieren.)

Man benötigt nur noch eine Apostille auf dem Original der Urkunde. Nur die. Sonst nix. Was bedeutet: “… gehe zurück auf Los, ziehe keine DM 4.000 ein …”

Soeben telefonierte ich mit “unserem” Standesamt. Trug mein Anliegen vor.

“Meine Gattin und ich benötigen ein neues Original unserer Heiratsurkunde.”

Weil dies und jenes passiert ist. Was die Standesbeamtin am anderen Ende der Leitung wundern macht:

“Aber eine Legalisation ist doch deutlich höherwertiger als eine Apostille!?”

Finde ich auch. Aber gleichwohl glaube ich, dass es nicht viel Sinn macht in Deutschland über Willkür zu diskutieren, die andernorts stattfindet. Mehr noch: Irgendwann wird man die Ukraine aus dem Verbund der Mitgliedsstaaten der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht ausschließen, prognostiziere ich. Alles ist demnach nur vorübergehend. Bis dahin muss alles geregelt sein!


Die reziproke Feier

Eine Piratin twittert…

“Familie nicht sehr erfahren im Weihnachten-Feiern, wissen nicht, “was man da so macht”. Haben verlegen auf das Geburtstagskind getrunken.”
(Afelia, alias Marina Weisband)

Weihnachtsmütze… und meine ansonsten sehr liebenswerte Gattin wollte unbedingt, dass ich eine alberne ukrainische Weihnachtsmütze aufsetze.

“Aber es heißt doch bei Euch “fröhliche Weihnacht” oder “frohes Fest”?”

Fröhlich ist nicht immer albern und mit “froh” ist eigentlich “besinnlich” gemeint.

Sie weiß es natürlich besser, aber sie provoziert gern. Mich vor Allen. Was ich mir natürlich nicht gefallen lassen kann. So gebe ich zurück:

“Findest Du nicht auch, dass es komisch ist, dass man im Westen Eure albernen Blunkerbäume für Weihnachtsbäume hält?”

Ja-ja. Wer in den Wald hineinruft, fällt meistens selbst hinein.

ES STIMMT OHNEHIN NICHTS UND WIEDER NICHTS! Weder Stalins Frostopa noch die Lügen der Christenheit, die sich in sich selbst verheddern, weil Konsum das Letzte wäre, was Jesus im Auftrage des Herrn zu predigen hätte.

Schaut die Lilien …

Ohr-nee! Jetzt fängt der widder damit an!

Sit down, have a scone. Make yourself at home – You klutz!

Das war doch nur die notwendige Einleitung. Die Geschichte(n), die hier erzählt werden soll(en), (ist eine|sind) andere, denn bereits im Vorfeld des Großen Festes hatte ich eine Idee. Die Menschen haben nämlich bisher ihre Bedürfnisse nur verschieden institutionalisiert (u.a. in diversen Festlichkeiten, von denen nur Weihnacht eine davon ist), es kommt aber, um wirklich froh sein zu können, darauf an, sich zu finden. Oder: Was Stalin konnte, kann ich auch: Ich erfinde MEIN Fest, des Inhalts dass der Mensch ebenso Natur ist, wie Sonne, Mond und Sterne.

Am 22. Dezember 16:30 Uhr 2011 erreicht die Sonne – dies Jahr und von Potsdam aus betrachtet – ihren tiefsten Stand in Bezug auf den Meridiandurchgang. Es herrschen demnach die Geschwister Kürzester Tag und Längste Nacht. Der größere Teil der Sonnenbahn liegt unterhalb des Horizonts.

Bereits mit der “Nacht der Toten” beginnt die Dunkle Zeit. Vorräte gehen zur Neige. Ohne Sonnenlicht liegen Ackerbau und Viehzucht brach. Seit Prokops Zeiten werden Boten auf die höchsten Berge geschickt, um nach der Sonne Ausschau zu halten. An einem 21. oder 22. Dezember hat die Nacht den Höhepunkt des Jahres erreicht. Von nun an wird Licht.

Julfeuer, Brennenden Räder, Potsdam scheint Nabel der Welt.

Großes FestDie Schutzgöttin heißt Tannte Kieficht, der zu Ehren die Menschen eine Fichte, Kiefer oder Tanne schmücken sollten. Man versammele sich an einem Kamin und weiß plötzlich Geschichten, weshalb das Große Fest auch Geschichtenfest genannt wird. Unter geschmückten Bäumen hört man – Überraschung! – den Alten wieder zu.

Eine davon geht so:

“Bei der wilden Jagd reitet der einäugige Sturm– und Kriegsgott des Göttergeschlechts der Asen auf seinen weißen achtfüßigen Schlachtross Sleipnir durch die Lüfte auf der Jagd nach Wild, vorzugsweise Eber. Begleitet wird er hierbei von seinen Raben Mugin und Munin (“der Gedanke und die Erinnerung”) und seinen beiden Wölfen Geri und Freki (“der Gierige und der Gefräßige”).

Auf dieser ewigen Jagd, die sich jedes Jahr wiederholt, benutzt er seinen Speer Gungnir, der niemals sein Ziel verfehlt und wird sowohl von den gefallenen Krieger die in Walhalla residieren begleitet, genannt die Einherier, als auch von einigen wenigen auserwählten sterblichen Helden.

Odins Wilde Jagd besitzt äußert vielseitige Züge. Sie ist ein Sinnbild für Toten– und Ahnenverehrung zu verstehen, welche Fruchtbarkeitskult in Form von Streben nach Wachstum einschließt.

Zur Feier des Anlasses  wird Julbier gebraut, werden Wohnungen reichlich mit Kerzen– und Lichterschmuck verziert, Gebäck gebacken. Warmer Met und Julgalt (Weihnachtseber) – YES!

Jultupp sehnt die Rückkehr der Sonne herbei.”

Quelle: http://www.runenkunde.de/brauchtum/jul.htm

Es ist ein bissel ehrlicher als Weihnachten und so ward es mein Fest. Nächstes Jahr (2012) findet es am 21. Dezember, 12:11 Uhr MEZ statt und die Grußformel zum Großen Fest lautet: Seid lieb zu einander – Erzählt Euch Geschichten!


Jahresabschluss

Die Bilanz ist noch in Arbeit, zentrales Thema dabei: Was hat im Jahre 2011 mein Leben besser gemacht? Ist es mir gelungen, die Menschheit voran zu bringen?

Vorab fallen mir nur die Klopapierrollen ein, die wunderbar geeignet sind, Schnüre zu lagern. Nichts verheddert mehr, alles ist übersichtlich, auffindbar…

1112 Schnüre

Aber wie immer kommt auch diesmal die richtige Erfindung zur falschen Zeit.

Fällt mir doch das alles erst dann ein, da ich mich anschicke, eine Cloud zu füllen. Sich in der WLAN-Zeit über abgepackte Schnüre zu freuen, ist unangemessen.

Analoge Fotoalben sind in unserem Haushalt bereits seit einiger Zeit verschwunden. Die Fotos lagerten noch unter Windows auf einer externen Festplatte und derzeit werden Bilder vom Pad oder aus dem Phone heraus gezeigt, oder gebeamt, dazu Kuschelklassik…

Hin und wieder rutscht aus einem der analogen Bücher ein analoges Foto heraus. Eines, das aus irgendwelchen Zufällen heraus noch nicht digitalisiert ist.

Rasch wird auch dies gescannt, dann ob des Alters gerätselt.

1969 Lenchen

Ist diese Aufnahme von 1969? Oder aus 1970? Ist sie auf diesem Bild jünger oder älter?

Wie kann man Alter am besten bestimmen?

Radiokohlenstoffdatierung?

Ich entscheide mich für Intervallschachtelung. Das Bild (oben) wurde geschossen nach der Hochzeit ihrer Eltern und vor ihrer eigenen Hochzeit. Irgendwie dazwischen.

Wieder schrieb es mich zur Seite raus. Aber da ich beim Möhlen bin, lasse ich das gelten. Aus der Küche riecht es lecker. Nach Knoblauch. Bocelli singt “Because We Believe” und ich habe heute einen freien Tag.

Gut-so.


Wahre Geschenke

Endlich habe ich das Schöne kennen gelernt, nämlich: Ein Geschenk machen zu dürfen, dass Tränen der Rührung hervorruft. Schon die Vorfreude auf das Schenken war schön, dann auch noch das Erlebnis der Übergabe!

Mutter macht den Umschlag auf und entdeckt Karten für Holiday on Ice – die Show, die sie immer schon einmal sehen wollte.

Tränchen – Umarmung – Tränchen – Umarm…

Hach – DAS war wirklich schön!


Alkoholintoxikation

111223 Kater

Manche sagen auch “Kater”.

Wer neuerdings cool sein will, nennt es “Hangover”, doch der echte Kenner weiß: DAS, was mich betrifft, ist ein “Похме́льный синдром” oder nennt den üblen Zustand, der mich derzeit leiden macht “похмелье”.

“Geradezu in Strömen floss der Wein,
Die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein …”
(Michalkow)

Dabei versuchte ich anfangs noch Einfluss auf die trinkfreudige Gesellschaft zu nehmen. Warum – versuchte ich den Jungs zu soufflieren – fragen wir immer gleich zu Beginn nach Wodka? Immerhin – suggerierte ich – gibt es hier, beim Griechen, hervorragende Weine. Und für den, dem dies zu wenige “Gradussi” sind, hält man Metaxa bereit.

Das sei “Griechischer Cognac”, erklärte ich der Meute, wohl wissend, dass es das aus markenrechtlichen Gründen nicht geben kann. Eigentlich müsste es “виноградный бренди” heißen, aber wer will schon immer die Wahrheit wissen?

“Jedenfalls ist die Erfindung des Winzers Spyros Metaxases ein gutes Getränk, insbesondere für “nach dem Essen”, ein Digestiv sozusagen, wofür seinerzeit besagter Winzer Spyros zu einem der angesehensten griechischen und serbischen Hoflieferanten avancierte…”

Ich konnte das leider nicht ausführen.

“Also gut, bringen Sie dem Mann eine Flasche Metaxa. – Wir trinken lieber Wodka!”

Und ich bildete mir dies hörend ein, dass es etwas geringschätzig klang.

Ansonsten kann ich mich nur noch erinnern, dass zum Schluss – Restaurant halbdunkel, alle Gäste draußen (außer uns) – einige mehrere viele Wodkaflaschen neben der Metaxaflasche standen, leer, versteht sich, und dass Lenchen mir die Tür aufmachte, weil der Schlüssel nicht ins Schlüsselloch passte.

Irgendwer hatte die Rechnung bezahlt, irgendwer drückte – sah ich ein Auge zuhaltend – dem Kellner 100 Euro Trinkgeld in die Hand, irgendwer, der nicht zu unserer Gesellschaft gehörte, brachte uns nach Hause.

Das ist praktisch bei den Russen: Ist man sturzbetrunken, ruft man einfach einen Freund oder Bekannten an und lässt sich “по домам” bringen.

Stand ich also später im Flur vor Lenchen, zitierte Luther …

“…hier schtschtehe ich – und kann nich anders!”

… und sie, die Ukrainerin, sagt DEN SATZ DER DEN UNTERSCHIED MACHT

“Слава Богу, dass wir noch Bier im Kühlschrank haben!”

Ich weiß, was Unterschiede betrifft, wovon ich schreibe. Deutschländerinnen treten nach meiner Erfahrung gern nach, wenn des Mannes Stellung geschwächt.

“Musste denn immer [sic!] so viel saufen?!”

Oder blöder:

“Guckema wie-de aussiehst!”

Eine Ukrainerin fühlt mit. Sie weiß vorher, dass es IHM am Tag danach – besonders morgens – noch viel-viel schlechter gehen wird, als ohnehin schon. Vor allem, sollte dem geschundenen Körper kein frisches Bier zugefügt werden können. Doch weil das möglich ist, preist sie Gott. “Слава Богу undsoweiter” bedeutet nämlich “Gepriesen sei Gott dafür, dass wir noch Bier im Kühlschrank haben!”

* * *

Vorhin. Heute früh. Ich durstig. Finde mühsam Weg zum Kühlschrank. Sehe Bier und denke: Das Vorhandensein von Bier beweist, dass es einen Gott gibt!

Trinke. Ah!

Komme langsam wieder zu Sinnen.

Formuliere die frohe Botschaft neu: Das Vorhandensein von Bier beweist, dass Gott uns liebt!

* * *

Ich hätte dies Posting auch “Der Gottesbeweis” nennen können, hätte damit aber (1) die Pointe in der Überschrift verraten und (2) gibt es einen Witz gleichen Namens, der aber hier bereits erzählt wurde.


Jahresrückblick 2011

Toll ist etwas anderes!

Mein Fonds bewegte sich eher seitwärts.

Wertentwicklung 2011 TG (EUR) Fund AWas Grund genug ist, sich bei einem Jahresrückblick auch mit Inhalten zu befassen. Was habe ich mir nur angeschafft?

Stelle fest: Mir, dem Apple-Fan, gehört ein Stück Microsoft! Wenn noch wer mitmachen würde, könnten wir den Laden entweder freundlich (best case) oder feindlich übernehmen. Statt “Occupy FDP” (Zeitverschwendung) könnte “Occupy Microsoft” gelten.

Ein Stück Pfizer gehört mir auch. Was bedeutet, dass von jeder verkauften Viagra Kohle in die Börse gelangt. Guter Sex steigert den Wert des Portfolios. (Bumsen für Geld – Die alten Gewerbe sind heute börsennotiert.)

Doch irgendwie schien im August dies Jahres (siehe Chart) die Luft raus gewesen sein. Oder ER war auch ohne Hilfe erigiert.

Oder was?

Jede neue Antwort gebiert zehn neue Fragen, derer zentrale: Was zum Teufel war nur im Spätsommer des Jahres 2011 los?


Der FSB steht zu seinem Job

Was in einer Demokratie keineswegs selbstverständlich ist, geschweige denn in einer gelenkten. Wer also heute auf die Seite https://ruelect.com/ surft, findet folgende Notiz:

Федеральная Служба Безопасности

Сайт закрыт по cтатье 20.29. КоАП РФ “Производство и распространение экстремистских материалов”

Лица, имеющие отношение к сайту, задержаны и дают показания.

So schnell kann es also gehen! Die WikiLeaks der russischen Wahlfälschungen https://ruelect.com/ sei deshalb gesperrt, weil hier “extremistische Materialien produziert und verbreitet” wurden.

Bemerkenswert der Nachsatz:

“Diejenigen Personen, die eine Beziehung zu dieser Seite haben, sind festgesetzt und machen gerade eine Aussage.”

Andererseits: Sollte so nicht Demokratie sein? Offen, transparent, verständlich und lupenrein? Man stelle sich vor, der deutsche Verfassungsschutz veröffentlicht eine solche Mitteilung.

Oder die:

“Personen sind bereits festgesetzt und zu gegebener Zeit werden wir die Gerichte darüber informieren, wie diese Leute zu bestrafen sind. – Ihr freundlicher Geheimdienst!”

Jedenfalls hat Putin der Große beim nächsten Diktatoren-Stammtisch wieder einmal was zum Prahlen.


Neid und Hass

1005 Pohlsee (4)Seit wir uns im Parfum-Shop um ein Geschenk für unsere Tochter bemühten, seit also Lenchen mir inmitten süßer Düfte immer wieder Duftproben unter die Nase hielt UND ICH DABEI NICHTS EMPFAND – seither beneide ich unseren Hund.

Wenn wir beide früh, so gegen 5:00 Uhr, durch die Gegend stromern und ich sehe, wie er riechend seine Umwelt wahr nimmt, wie er sie mit seiner Nase liest, überkommt mich ein Gefühl des Neides. Warum kann ich nicht auch, was ein jeder einfacher Hund kann?

Aber nee: Meine düfterische Rezeption hält sich in engen Grenzen. Schweiß – pfui, Lenchen in der Küche – ah! Dazwischen gibt es noch “Waldboden”, “Raumspray” oder “Treppenhaus” – das war es dann aber schon.

Glühbirne   Ist der Vorgang extrem, kann man Gefühle leichter bestimmen.

Wenn ich – um ein weiteres Gefühl anzufügen – morgens im Internet mein Konto aufschlage und ich immer noch nicht jenen Betrag finde, der längst, spätestens seit dem 12. Dezember, hätte verbucht sein müssen und der Kontostand unnötigerweise gegen Null konvergiert, überkommt mich Hass.

Zumal ich die kommenden Ausreden bereits kenne:

(1) Wahaas? Noch nicht auf Deinem Konto? Kannichsein! Na, meine Bank kriegt was zu hören!

(2) Oh-ja. Ist zurück gekommen. Zahlendreher. Tutmirleid.

(3) Sorry, mein TAN-Block ist verschwunden.

(4) …

Was man auch sagen wird: Hass bleibt Hass!

Beides – Hass und Neid – sind einfachstrukturierte Gefühle. Und eigentlich eines alten Mannes unwürdig. Wobei allerdings – fällt mir nun ein – die Aussicht auf eine schöne Rache ein probates Mittel ist, jeden Hass zu mildern.

Doch *seufz* Neid bleibt alternativlos.


Nun soll ich unbedingt Houellebecq lesen

Michel Houellebecq sei wohl – sagt sie heute vor dem Frühstück – derzeit Kult. Insbesondere die Russen mögen diesen Franzosen.

“Alle [sic!] lesen den und Du … ?!”

Nie gehört.

“Google doch einfach: У – э – ль – б – е – к”

Kein Ergebnis. Klar: Die Russen kennen kein “H”.

In der deutschsprachigen Wikipedia finde ich endlich:

“Houellebecqs Romane werden häufig kritisiert wegen bestimmter Passagen, die den Autor als Rassisten, Frauenhasser, Reaktionär oder Religions- (meist Islam-) Feind erscheinen lassen. Auch hat der als „nouveau réactionnaire“ diffamierte Houellebecq selbst wenig getan, um negative Vorstellungen über sich zu relativieren, vielmehr hat er die genannten Aussagen in Interviews bestätigt und bekräftigt. …”

Oder:

“So sagte er in einem Interview, Hitler sei nicht schlimmer gewesen als Napoleon. Seine vorgeblichen Sympathien für Stalin begründete er damit, dass dieser viele Anarchisten umgebracht habe. …”

Sarrazinesk, vorurteile ich, thilohaft.

Doch den Уэльбек muss ich unbedingt lesen. Schon um zu wissen, wohin derzeit der russländische Schwarm schwimmt. Vielleicht auch um einmal mehr eine ehemals große Nation zu bedauern.


Das Missverständnis

“…und wie soll ich in diesem Jahr den Baum dekorieren?”

1112 Tanne (5)Eigentlich ist es mir schnurz, weil ich nicht viel von Bäumen halte, die geeignet sind, ein Wohnzimmer zu verstopfen. Aber “schnurz” darf ich nicht sagen, auch nicht die dementsprechende Vokabel in der ukrainischen, wie auch russischen Sprache. “Schnurz” ist nämlich arrogant. Sagtmannich. Böse-böse.

Irgendwas musste ich aber sagen, also kam es einfach so über mich:

“Dekorier den Baum blau-weiß. Das sind die Farben von Hertha-BSC.”

Sprach es aus und dachte nicht weiter darüber nach. Doch sie nahm mich beim Wort und nun ist das Bäumchen weiß-blau.

* * *

Nächstes Jahr machen wir ein Union-Bäumchen. EISERN!


Klingelpartie

Dummer Scherz: Man schellt grundlos an irgendeiner Tür und rennt weg.

Eine humorige Kinderei, die zu DDR-Zeiten für Siedler besonders unangenehm war, weil sich sozialistische Klingelknöpfe gern verhakten. Der betroffene Bewohner musste, um das Problem zu lösen, entweder die Klingel für den Rest des Abends abstellen oder sich extra “runter” begeben. Was nach dem Sandmännchen besonders unangenehm war, vor allem wenn im Westfernsehen die Rudi-Carrell-Show lief.

Diese Art kindischen Humors scheint offenbar vorbei.

Sollten fremde Kinder klingeln, ist Halloween. Man muss auch nicht extra “runter”, sondern gibt einfach nur einige Schnongse und die Kids ziehen weiter.

Nicht so in Potsdam, nicht so am Kirchsteigfeld.

Hier klingelt es oft.

Meine Mutter ist Neubrandenburgerin, besser wohl Neu-Brandenburgerin, eine Zugezogene sozusagen. Sie wundert sich in steter Regelmäßigkeit:

Also bei uns, in Sachsen-Anhalt, war das nicht so! Unsere Kinder haben SOLCHE Streiche nie gemacht!”

(Ein Witz am Rande: “Unsere Kinder” bin ich allein)

Jedenfalls erkennt sie nun, dass – obwohl alles irgendwann einmal gleichermaßen Osten war – die Unterschiede zwischen den deutschen Mentalitäten gewaltig sind. “Bei uns in Sachsen-Anhalt” steht immer öfter “bei euch in Brandenburg” gegenüber und dies klingt, so gesagt, weiter entfernt, als Kiew und Berlin. Täglich führen wir Warum-ist-es-bei-Euch-so-Gespräche.

“… und warum geben die bei Euch Pakete immer nur bei den Nachbarn ab? – Ich bin doch meist zu Hause!?”


Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben

“Mit ‘nem Bart, mit ‘nem Bart – mit ‘nem langen Bart!”

Oft, wenn seinerzeit die Alten besoffen, stimmte einer von denen dies Liedchen an und die trunkene Gesellschaft grölte mit. Dabei konnte man aber davon ausgehen, dass es unter den Interpreten niemanden gab, der den ollen Kaiser Wilhelm tatsächlich zurück haben wollte, zumal der Protagonist des Liedes bereits verstorben war.

Nonsens-Text. Absurd-Forderung. Realistisch, wie die bekannte Polonaise von Blankenese bis hin nach Wuppertal.

Aber…

“Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen….”

Jedenfalls gibt es einen Facebook-Freundeskreis, der KT Guttenberg zurück haben will:

111217 Guttenberg

Dazu fällt mir partout nichts Witziges ein. DAS genau, finde ich, ist witzig genug.

(Doch fünf meiner Freunde gefällt das.)


Heute ist erst der 16. Dezember …

… und alle Weihnachtsgeschenke sind bezahlt.

Acht Tage vor Heilich-Ahmd – DAS GAB ES BEI UNS NOCH NIE!

Ein bezahltes Dingens muss allerdings noch aus Internethausen zugeschickt werden, ansonsten ist alles bereits gebunkert.

Was doch gute Planung bewirken kann: Wir brauchen uns ab sofort nur noch auf den Braten konzentrieren. Ente und Karnickel, wie immer – doch Lenchen hat diesjahr die Zubereitung auf sich genommen. Und ich entdecke dabei: Es gibt auch dort Probleme, wo nie welche waren.

“Wir werden sieben Personen sein, haben aber nur ein Kaninchen und eine Ente. Was geschieht, wenn wir nur Kaninchen essen wollen? – Oder Ente?”

Keine Ahnung – Aber DAS wäre endlich einmal ein guter Grund für ein Posting.


Die Komiker-Parade

111215 komiker-paradeAls wir noch in Moskau lebten – also vor (vielen-vielen)2 Jahren – brachte eines Tages ein Gast meinen Eltern eine Schallplatte als Geschenk. Eine Langspielplatte, wie es damals hieß – Vinyl, wie wir heute sagen.

Darauf Witze, vorgetragen von seinerzeit bekannten Komikern.

Deutsche Klänge in russischsprachiger Umgebung: Die LP wurde immer und immer wieder aufgelegt, so dass ich die Texte bald auswendig konnte.

“…da hab’ ich meine Schuhe zum Schuster gebracht, hat der sich die genau beguckt und gesagt: Da brachen wir nur neue Sohlen, neue Absätze und rings-rum neues Oberleder – …
- Die Schnierrsenkel sind noch jut.”

Ausgerechnet dieser Witz fiel mir ein, als ein TÜV-Prüfer gemeinsam mit einem Monteur der Werkstatt mein Auto begutachteten.

“Wie sind Sie DAMIT überhaupt gefahren?”

Erfahrung lehrt. Geschicklichkeit kommt hinzu. Und vorausschauendes Fahren. Bei Annäherung an eine Kreuzung stets einen verlängerten Bremsweg vor Augen habend. – Aber ich will mich nicht loben.

Die Werkstatt machten schließlich nur das aller-aller Nötigste, nur um den TÜV zu beruhigen, doch bereits diese Grundleistung war nicht unter einem Kilo Euro zu haben.

Wahnsinn vorm Fest!

Nun isses wieder zugelassen. Es fährt zwar ebenso schlecht wie zuvor, aber nun ist es legal.

* * *

Mein erster Passagier – Lenchen – hält plötzlich einen Schraubenzieher in der Hand und mir fallen die zahlreichen Geschichten von jenen Ärzten ein, die bei einer Operation ihr Besteck in den Innereien ihrer Probanden vergaßen.

Tel Aviv – So ist mein Leben: Ein Gleichnis jagt das nächste. Ununterbrochen witzhaftig.


Hellweg sagt Danke

Damit ist der Baumarkt der erste, der Weihnachtskäufe abbucht. Ist somit schneller als ein Media-Markt, als Douglas, real und ein Postbank-Geldautomat im Potsdamer Stern-Center.

Ein schönes Gefühl: Man sitzt zu Hause, hat bereits Tüten und Tütchen deponiert, doch das Konto sieht (fast) unbenutzt aus. Was versöhnlich ist, insbesondere gegenüber dem gestrigen Stress, da ich neben Lenchen zu stehen hatte, die nie Entscheidungen schnell trifft.

Erst muss abgewogen sein. Sorgfältig. Dies oder jenes. Oder vielleicht doch das Andere?

“Was meinst Du?”

Selbst wenn ich mir Mühe geben würde, ich würde in einem Parfum-Shop voller Gerüche nie und nimmer definieren können, welche Geruch für eine zu beschenkende Unterdreißigerin am besten geeignet sein könnte.

111216 Arthur der EngelGlück im Unglück: Kurz bevor ich die Nerven verlor, gesellte sich Fachpersonal an unsere Seite.

“Kann ich Ihnen irgendwie helfen?”

Arthur der Engel, dachte ich. Und: Die schickt der Himmel!

“Wären Sie bitte so nett, meiner Frau zu erklären, dass es überhaupt keinen Sinn macht, einen Mann aufzufordern, Parfum auszuwählen. Oder besser noch: Vertreten Sie mich – ich warte derweil an der Kasse!”

Das war eine gute Idee, befinde ich hinterher.


Die Immerwiederkehrende

111213 Ehrliche WahlenEs ist die Frage, die sich bereits der Große Lehrmeister WU gefallen lassen musste, die Frage der deutschen Genossen an einen Sekretär namens Egon Krenz und auch die an seine, mit ihm seinerzeit befreundeten Freunde im sozialistischen Welt- und Wertesystem.

Die immerwiederkehrende Frage wird derzeit Herrn Putin gestellt:

“Wenn nun einmal Wahlen gefälscht werden müssen, aus irgendeinem Grund, und wenn zugleich alles Volk davon weiß, wie in jeder gelenkten Demokratie – wieso zum Teufel lasst Ihr dann überhaupt erst wählen?”

111213 Ehrliche Wahlen (2)


Bierchen?

JA!

Aber…

Erstens hasse ich Verkleinerungsformen, die im Übrigen in der russischen Sprache häufiger angewandt werden, als in der deutschen – “Пивка” statt “пиво” ist einfach furrrchtbarrr! – und zweitens …

“…komme ich nicht extra bis zum Alexanderplatz gezottelt, nur um mir Enkelkinderfotoalben anzugucken!”

So einigten wir uns vorher: Er wird nicht über seine Enkel reden, ich nicht übers Internet.

“…und was macht Ihr Silvester?”

“Heringssalat, warum?”

*Gröhl!*

Immer zur gleichen Zeit kommt doch tatsächlich der selbe Joke. Das Dinner-for-One der alten Bierchentrinker, die Reise nach Leningrad, Ironie des Schicksals. —> Tradition, WIR BRAUCHEN DAS wie den Little Lord Fauntleroy, Weihnachtsgans und Karpfen.

111212 Bierchen

Dies und jenes redeten wir auch – hin und her, her und hin. Schließlich erkenne ich: “Bierchen” ist weniger Verkleinerungsform als Maßeinheit. Ein Bierchen sind stets zweimal sechs Radeberger, jeweils Null-Drei. Und zwei Bierchen sind das doppelte.

Im Laufe des Ereignisses – *schmunzel* Ich schreibe tatsächlich iPhoto-Deutsch! Zwinkerndes Smiley – was bedeutet: mit zunehmendem Promillestand, fällt es ihm sichtlich schwerer NICHT von seinen Enkelkindern zu reden.

Aber “versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!” So erzählt er völlig andere Dinge, an seinem erwünschten Thema vorbei.

“…geh ich doch zu Netto oder Aldi und sehe: An der Kasse stehen hübsche Figuren, die sich bewegen, tanzen, wenn man die anpickst. Habe ich auch gleich mehrere gekauft: Einen Weihnachtsmann, der mit dem Kopf wackelt und ein tanzender Elch. War für ein Nikolauspaket, was ich pünktlich verschickt habe. Nun muss ich nur noch gucken, dass ich Wunderkerzen kriege. Wunderkerzen, weißt?, machen manches Auge leuchten….”

Klar. Kein Wort von seinen Enkeln. Nur Nikolaus und Wunderkerzen.

Er hielt Wort und mir bleibt der heimliche Schwur: Wenn es bei meinen Töchtern soweit ist, werde ich mich rächen. Und diese Rache wird furchtbar sein! Noch bevor meine Enkel zur Welt kommen, werde ich alle Welt mit Ultraschallbildern terrorisieren, werde zahlreiche Märchen erfinden, werde nicht eher Ruhe geben, bis er endlich auf den Knien rutscht und sagt:

“Ich sehe es endlich ein: DEINE Enkel sind die besten Enkel der Welt!”

Doch noch isses nich soweit.


Dreiste Gauner aus Offenbach

Dies ist eine Warnung!

Pünktlich zum Fest meldet sich allerlei zwielichtiges Gesinde mit lärmender Günstigkeit, wie zum Beispiel ein Handyversand aus Offenbach:

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Eine Verwandte fiel vor wenigen Monaten auf die Tricks der Offenbach-Gauner herein und sah ihr Konto prompt (wenige Tage nach Unterzeichnung des Super-Hochstrahldüsen-Vorteilspaketes) von den Offenbachern Handybetrügern und den mit denen kooperierenden Talkline-Brüdern um 120 Euro erleichtert, weil sie übersah, dass all die Vorteile – wenn überhaupt – erst nach der Lösung von komplizierten Aufgaben in Kraft treten.

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GÜNSTIG IST AUCH DER KÄSE IN DER MAUSEFALLE!

<witzamrande>Thomas Schmitt – der Unterzeichner der Offerte – hat den Dienstgrad “Leiter Vorteils-Club, handyservice”</witzamrande>

Na, wenn das nicht zum Lachen ist, was dann?


Fromme Wünsche vor dem Fest

Sie brachte neue Vorhänge aus Kiew mit und mich gestern dazu, eine neue Stange zu montieren.

- ICH HASSE BOHRMASCHINEN! -

Ich konnte mich ihr zuliebe überwinden. Und nun – nach zwei Stunden bohrend verplemperter Zeit – hängt alles akkurat. Sieht darüber hinaus auch noch hübsch aus. Zumindest unschief, nicht ungerade und haltbar.

Stehe ich also vor den Vorhängen, mich selbst bewundernd, als das Telefon klingelt.

“Hey Alda – Was wünschst Du Dir zu Weihnachten?”

Die passende Frage im richtigen Moment.

Aaalso: Ich wünsche mir einen Hausmeister. Oder einen Elektriker. Vielleicht sogar einen Tischler.

Am liebsten wäre mir einen Bohrer.


Hörprobe

Regelmäßig bringe ich die Hörgeräte meiner Eltern zum Akustiker, auf dass sie dort gereinigt werden. Was ich gern mache, wie ich hiermit zugebe, denn die kleine Akustikerin ist hübsch großbrüstig. (Der blanke WAHNSINN!) Sie gehört zu jenem Typ Frau, von denen wir Jungs seinerzeit – in der Pubertät – sagten: “Wenn man mit so einer zusammen einschläft, kann man früh den Wecker nicht hören.”

Einmal dort, bei DIESER Akustikerin, trieb mich Mir – mein Unterbewusstsein – zu einen Hörtest. Der ist gratis.

Wenn es draußen, auf der Straße, stürmt und regnet, es drinnen dagegen, im Laden, wohlig warm ist, ist das – finde ich – eigentlich eine prima Idee.

Der Test verläuft positiv. “Bei Ihnen ist alles in Ordnung!”, sagt die Brüstige.

Hmmm – Sollte mir das Urteil peinlich sein? Vielleicht ja, denn wieso zum Teufel macht einer einen Test, der wissen kann, alles ist in Ordnung?! So bleibt mir nur eine Erklärung:

“Danke für den Test. Jetzt weiß ich es genau: Das Radio ist kaputt.”

*schweißabwisch* – Die Kuh ist vom Eis.


Das Einfache, das schwer zu machen ist

Die Überschrift ist frei nach Brecht – so kommt sie mir in den Sinn.

Heute kommt sie aufgeregt ins Arbeitszimmer.

“Guckemal hier, diese Verbrecher, machen alles einfach so leicht, dass man es nicht finden kann. Oder nur mit Mühe. Hat man es aber gefunden, so wie ich soeben, also zufällig, ärgert man sich schließlich, dass man es nicht gleich fand.”

Frauenprobleme. Ich würde mich darob nicht ärgern – ich würde das verheimlichen.

111207 iBooks appAber immerhin weiß ich sofort, worum es ihr geht, denn immer wieder hatten wir probiert, mit ihrer iBook-App am iPad russischsprachige Bücher zu ordern – ohne Erfolg.

“Wahrscheinlich weil sich Dein iPad in Deutschland einloggt, da denkt der Apfel, du bist eine Deutsche und bietet Dir nur deutsche Ware. Nimm das gerät mit nach Kiew und prüfe dort die Angebote.”

Das war nicht der klügste Vorschlag – das Netz ist überall, wahrscheinlich sogar auf dem Mond.

Jedenfalls kam sie enttäuscht aus Kiew zurück, seufzte a bissel und entdeckte seufzend, dass ein einziger kyrillischer Buchstabe im Suchfeld der iBook-App genügt, um deren Angebot zu russifizieren.

Weshalb Lenchen nun glücklich und verärgert zugleich ist.

Derweil ich mich an Schopenhauer erinnere:

“ … Demgemäß wird die möglichste Einfachheit unserer Verhältnisse und sogar die Einförmigkeit der Lebensweise, so lange sie nicht Langeweile erzeugt, beglücken; weil sie das Leben selbst, folglich auch die ihm wesentliche Last, am wenigsten spüren lässt: es fließt dahin, wie ein Bach, ohne Wellen und Strudel.”


Mitbringsel

Lenchen brachte ein Benjamin-Franklin-Bild aus Kiew mit.

111206 Hundertdollar

Es waren ursprünglich irgendwelche Schulden unter Freundinnen – welche in der Ukraine meist in US-Dollar verrechnet werden, weil man dortzulande amerikanisches Geld für stabil hält – die nun beglichen sind.

Lenchen hatte ursprünglich die Idee, den Franklin erst gegen acht Schewtschenko zu tauschen.

111206 Hundertgriwna111206 Hundertgriwna111206 Hundertgriwna

 

 

……… usw.

Was wiederum einen Gegenwert von etwa 70 Euro entspricht.

“Wie umständlich!”

Jedenfalls trug ich den Schein gestern zu einer deutschen Bank —> zur zweitgrößten deutschen Großbank, zu der Bank mit Martin Blessing an der Spitze. Die mit dem Slogan “Gemeinsam mehr erreichen”, “Die Bank an Ihrer Seite”, die Ideen nach vorn bringen will.

Ort der weiteren Handlung ist nicht etwa Kleinkleckersdorf oder Pißdorf in Sachsen-Anhalt sondern – TÖRÖ! – Berlin, Hauptstadt aller deutschen Länder.

“Den kann ich leider nur Inkasso nehmen”, sagte der gut ausgebildete Bankfachmann in Berlin-Zehlendorf, es seien nämlich zu viel Fälschungen im Umlauf.

“Wir schicken den nach Frankfurt und wenn die dort feststellen, dass alles in Ordnung ist, wird Ihnen der Gegenwert in Euro gutgeschrieben. Dauert etwa eine Woche.”

Ab nun wundert mich wenig. So also reagiert eine deutsche Großbank auf die Märkte: Schickt Dollarscheine durch die halbe Republik, weil in derer Hauptstadt die Echtheit eines Scheins nicht festgestellt werden kann.

Unglaube war auch Lenchens erste Reaktion – “Wie umständlich!” war ihr Kommentar.

Ach übrigens: Der Slogan dieser Bank 1965 war

“Angeseh’n ist jedermann, der gleich beim Kauf schon zahlen kann.”


Obsessionen

Seit ein Angehöriger vor unseren Augen zur Pflegestufe 2 mutierte, seit dessen Übergang von noch Mensch zu nur Lebewesen, lebe ich obsessiv – stets von der Idee getrieben, dass mir so etwas nicht passieren soll. Immerhin ist die Tätigkeit des Gehirns ein biochemischer Vorgang, ein Getriebe, das in Gang zu halten ist, ein Interaktionsfeld stark vernetzter Neuronen.

So sitze ich und mache Häkchen:

- Kontrolle des Körpergewichtes Daumen hoch (Waage steht im Bad)
- Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren Daumen hoch (Einmal im Jahr Großes Blutbild)
- Soziales Engagement Daumen hoch (Facebook, Twitter)
- Physische Aktivität Daumen hoch (Gassi)

Und alles was sonst noch helfen könnte – rein in die Rübe:

111030 Prävention (2)

Doch das Entscheidende scheint mir, die ständige Überprüfung bestehender Werte, das Infragestellen sicher geglaubter Verhaltensmuster, das kühne Überbordwerfen von ehemals Richtigem. Vom Saulus geht es zum Paulus UND WIEDER ZURÜCK zum Saulus. Aus einem Handy-Totalverweigerer ward ein iPhone-Fan. Gebt dem Mann ein Gewehr und er verteidigt die Ehre deutscher Inlineskater am Hindukusch!

Irgendwas passt schon.


Nun ist sie wieder da

Zufällig.

“Gut dass Du ein Billet hast”, skypte ich vorgestern. “Da kannst Du mir ja sagen, in welchem Waggon Du fahren wirst”. Das zu wissen bringt einen leichten Vorteil beim Abholen. Man weiß sich Berlin-Zoologischer Garten besser zu platzieren.

Kurz und gut – sie guckt auf das Ticket, gibt den Waggon an und entdeckt dabei zufällig, dass die Abfahrtszeit nicht 9:30 Uhr wie im ukrainischen Fahrplan oder bei der Reiseauskunft der DB ausgewiesen, sondern statt dessen 7:23 Uhr sein soll.

Weshalb sie die pampig-unfreundliche Ukrsalisnize-Auskunft anruft.

“Bitte sagen Sie mir, wann morgen der Zug nach Berlin fährt.”

“9:30 Uhr – Wie immer!”

“Komisch. Bei mir auf dem Fahrschein steht 7:23 Uhr.”

“Ach stimmt ja! Die Abfahrt dieses Zuges wurde geändert. Neuerdings fährt der Zug 7:23 Uhr. Aber wenn Sie es sowieso besser wissen, wieso rufen sie dann an?”


Traditionen

Wahrscheinlich Bestimmt brauchen wir das.

Traditionen sind die Konstanten des Schwarms in einer sich ständig verändernden Umgebung. Die schwimmenden Bojen, an denen man fisch sich zu orientieren glaubt. Die Schiffswracks, an denen man hin und wieder vorbei schwimmt. Die abgestandenen Wegweiser in einer kargen Landschaft. Unglück ist die Erkenntnis, dass jede Konstante des Lebens relativ, dass jede nur Tradition erfunden ward, um eine andere auszulöschen. Aus der Sommersonnenwende wurde der Iwan-Kupala-Tag, den die orthodoxe Kirche nachträglich verschob, um diesen Tag Johannes dem Täufer zu widmen und aus der Sonnenwende im Winter ward Weihnacht.

Pawel Petrowitsch Postyschew ist heute mehr für die Rehabilitierung des Weihnachtsbaumes bekannt, als für den Massenmord, den er in der Ukraine zu verantworten hat. Stalin erfand den Frostopa, Ded Moros, der heute als Pendant zum abendländischen Weihnachtsmann gilt, dessen Bescherung die Protestanten in turbulenten Zeiten vom 6. Dezember auf den 24. verlegten, was wiederum alle rechtgläubigen Christen ablehnen, denn jede Form von Weihnacht kann nur am 6. Januar sein.

Zu allem Überfluss stimmt alles nicht. Wir wissen wohl von einer Kreuzigung, doch wann genau die war, können wir nur vermuten. Von einer Geburt schweigen die Journale. Was auch egal ist, denn WIR basteln die Regeln, WIR BRAUCHEN DAS, WIR nennen den Spaß Tradition und freuen uns, weil wir glauben eine Konstante gefunden zu haben.

Bilderserie – Die Mutation von Ded Moros zum Showmaster

Jolka 1937 (1)

1937 Weihnachten im Kreml. Ded Moros bringt den Kindern die “Geschichte der KPDSU(B)” von J.W: Stalin

Jolka 1979

1979 Ded Moros bedankt sich für die Planerfüllung und lobt die Stoßarbeiter

Jolka 2004

2004 The show must go on


Es gehen immer auch die Guten

111202 Christa WolfDas war mein Satz nach Biermann. Gesagt in einer Zeit, da es viele Leute aus ihrer Heimat trieb. Sarah Kirsch, Hilmar Thate, Angelica Domröse, Manfred Krug, Katarina Thalbach …

Christa Wolf blieb. Schrieb nach dem Schock “Kein Ort. Nirgends.” – das für mich bemerkenswerteste Buch der kleinen DDR, deren Künstler nun eine neue Zeitrechnung hatten. Es galt “vor Biermann” und “nach Biermann”.

“Es gehen immer auch die Guten”, sagte ich auch später, als das halbe Land in den Westen floh. Derweil Christa Wolf auf dem Alexanderplatz träumte.

“Stellt Euch vor es ist Sozialismus und niemand geht weg.”

Es gehen immer auch die Guten, weiß ich genau.

Christa Wolf ist tot.


Das nichtgekaufte Weihnachtsbäumchen

In Stolpe bei Berlin schlug Herr Peter Otto bereits am 9. November die ersten der Weihnachtsbäume …

111130 Weihnachtsbaum

… und ich sehe die vielen anderen Bilder.

Vielleicht – denke ich nun – sollte ich in diesem Jahr all meinen Jahresendfrust über Bord werfen? Vielleicht sollte ich mich diesmal bemühen, Weihnachten “toll” zu finden? Und vielleicht – spinne ich weiter – würde es sie freuen, wenn sie am 4. Dezember in unsere Wohnung kommt, wo bereits ein Weihnachtsbäumchen steht? – Bereit, dekoriert zu werden. Das könnte Signalwirkung haben – Der Alte wandelt sich.

Aber – hält mir Mir entgegen – es könnte ihr vielleicht nicht gefallen, denn dies Bäumchen hatte sie sich nicht ausgesucht. Und so – weiß ich – wird es zum Soda-Bäumchen. Zu einem Bäumchen, das einfach nur so da ist.

Wer jahrzehntelang verheiratet ist, weiß nämlich oft, was kommen wird. Kennt den Inhalt anstehender Kritik: Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu schief und überhaupt “gab es denn wirklich nichts Besseres?”

Seit diesen Gedanken weiß ich: Es geht nie um irgendwelches Weihnachten, Jesus, Ochs und Esel – Es geht nur um unsere Bedürfnisse. Um die Lust am Auswählen, beispielsweise, um das Auserwählte zu dekorieren. Auch um Konsum und schließlich – letztendlich – um Harmonie für einige Stunden, der zuliebe wir auch gern verlogen sind.

Wenigstens einmal im Jahr.


To be, or not to be, that is the question

Potenz oder Impotenz ist eine der Antworten.

Alles Werden beginnt mit dem Übergang von der Potenz zum Akt. Alle wirklich-wichtigen Gefühle sind hierauf aufgebaut, aller emotionaler Reichtum, alles was man, frau, hund sich so erträumt, alles was Liebe ist.

Jeder Hund ist auch ein bisschen Mensch, wahrscheinlich lieben sie auch. Vor allem wenn die Hündin läufig und der Rüde nicht kastriert ist.

1111 Hundeplatz (2)

Mit einem sehnsüchtigen Jaul kaum er heute früh ans Bett und ward von da an nicht zu halten. Zog achtlos an einigen Laternen vorbei – bis er sie endlich-endlich fand… (Erstaunlich: Auch Hunde machen es mit Vorspiel!) Wir Hundebesitzer schafften es gerade noch rechtzeitig, die beiden zu trennen.

Coitus interruptus – mich trafen enttäuschte, anklagende Blicke aus liebenswerten Hundeaugen.

“Tut mir leid mein Freund – Auch Welpen wollen geplant sein!”

DAS war das Moment, da ich plötzlich ahnt kapierte, dass es die Potenz ist, welche die meisten Gefühle produziert.

Klar sind kastrierte Rüden ruhiger – Sind sie aber auch glücklicher?

Oder: Was ist des Eunuchen Glück?


One Day in Europe

Über diesen Film schrieb ich bereits. dem wäre nichts hinzuzufügen, außer… Einen richtig gut-komischen Film erkennt man daran, dass man auch beim zweiten Sehen entdecken kann.

“Sind Sie katholisch?” wird ein Pilger ausgerechnet in Santiago de Compostela gefragt / “Where do you come from?” – “Hungary.” Der Polizist versteht “hungry” und tippt auf Bukarest. / “Was für eine Sprache spricht man eigentlich in Ungarn?” – “Ungarisch.” <pause>~~~</pause> “It’s like Finnish.” Wieder staunt der Polizist: Eine Sprache die klingt, als sei sie am Ende. / Ungarn vermuten die Spanier Die Spanier vermuten Ungarn im Norden von Polen. / …

So lag ich also schmunzelnd im Bett und freute mich, dass die Telekom Entertain erfunden hat. Jetzt kann man Fernsehen besser planen. Man muss nicht unbedingt gucken, wenn es gezeigt wird – man guckt, wann es passt. Und die Programmierung läuft auf unbestimmte Zeit: “Sollte irgendwann DIESER Film gezeigt werden, zeichne ihn auf!”. Und groß ist die Festplatte.

Der ungarische Geschichtslehrer Gabor wird übrigens von den Polizisten immer mit “Hungry” angesprochen.

“Morgen kommst Du wieder – Dann denken wir uns gemeinsam eine glaubwürdigere Story aus.”


Verwandtschaft

Was für eine vorzügliche Einrichtung, dass die Gedanken nicht als sichtbare Schrift über unsere Stirne laufen. Leicht würde jedes Beisammensein, selbst ein harmloses, zum Mördertreffen. (Christa Wolf)

Ich ahnte vorher, was unter Umständen geschehen könnte. Und wie ich mich – damit dies nicht geschieht – zu überwinden habe. Wie ich mich am Riemen reißen muss. Drei Stunden Freundlichkeit sind in der anstehenden Konstellation etwa zwei Stunden Verlogenheit – eine Tortur für jede redliche Seele!

DAS UNVERMEIDLICHE TRITT EISERN EIN und begrüßt mich mit den Worten:

“Wie schön, dass auch Du kommen konntest!”

Woraufhin ich auch prompt eine Antwort finde.

<lüge>
“Aber das ist doch eine Selbstverständlichkeit!”
</lüge>

Dieser Strang der Sippe sah mich das letzte Mal anlässlich einer Goldenen Hochzeit, auf der es mir auf wundersamer Weise gelang, nicht mit denen ins Gespräch kommen zu müssen. Nun sind sie hier. Doch meine Abneigung ist keinesfalls darauf begründet, dass die Protagonistin der Kaffeerunde besonders dick, sondern weil sie doof ist.

Sie platziert sich auch gleich hinter den besten Kuchen, derweil ich bereits beim Setzen das Kommende Wort für Wort voraus ahne. Ich weiß definitiv, wie sich der anstehende Nachmittag gestalten wird: Irgendwer stellt zu Beginn eine harmlose Frage und meine Verwandte wird sich durch nichts und niemanden daran hintern (LOL! – Was für ein Freudscher Verschreiber!) hindern lassen, von ihren Krankheiten zu berichten.

“Na, wie geht es denn so?”

Richtig geraten!

Es geht los:

“Ohr, mir jehts aba schlecht: Hier Wehweh – da Wehweh. Sogar der Rücken…”

111127 ÄrzteDreizehn [sic!] Spezialisten würden sich derzeit um sie bemühen. Am schlimmsten sei wohl eine doppelte Arthritis, weshalb sie Treppen nur noch rückwärts begehen könne, insbesondere wenn sie nach unten will. Ihrer Diabetes mellitus käme sie mit Medikamenten bei, aber bei den Rückenschmerzen, wisse derzeit kein Arzt, was zu machen sei.

“Über meine Krankheiten könnte ich ein Buch schreiben”, sagt sie schließlich.

Könnte sie nicht!

Stimmt! Ihre Gichtfinger würden ihr dies Vergnügen nicht ermöglichen! Wahrscheinlich weiß sie das sogar selbst.

Niemand hat die Absicht, ein Buch zu schreiben, der jederzeit die gesprochen Version liefern kann. So zergeht der schöne Nachmittag zäh topfend, bis sie endlich an die Stelle kommt, da das Publikum Betroffenheit heucheln sollte, an die berühmte Helmut-Zerlett-und-Band-Stelle, an den Commercial break …

Wahrscheinlich braucht sie Luft für weitere Krankheiten.

“…und wie geht es Dir so?”

Nun bin ich es, der sein Gesicht verzieht. Wahrscheinlich gelingt es mir sogar auszusehen, wie der gekreuzigte Jesus. Und von nun an ziehe die Worte einzeln und leidend in die Länge.

“Warteliste… Bin immer nur auf der Warteliste…”

Teufelaberauch: Es gibt einfach nicht genügend Organspender.


Ich-AG

Unwort des Jahres 2002.

Die Jury ging seinerzeit davon aus, dass der Wortbestandteil “AG” für nichts anderes als Abkürzung für “Aktiengesellschaft” stehe.

“Da aber ein Individuum keine Aktiengesellschaft sein könne, sei die Wortschöpfung nicht nur lächerlich unlogisch, sondern stufe menschliche Schicksale auf ein sprachliches Börsenniveau herab. Selbst als ironisches Bild sei das Wort nicht hinzunehmen, da sich die Arbeitslosigkeit nach Ansicht der Jury mit solcher Art von Humor kaum vertrage.” (Wikipedia)

Humor? Unverträglich mit der Wirklichkeit?

Ich jedenfalls finde die Bezeichnung bedeutend genug, sie bleiben zu lassen. “Ich-AG” klingt zumindest deutlich besser als “Loser” und liefert Ansatz zu weiteren Wortspielereien, wie zum Beispiel “Wertlospapier”. Gehandelt von einer “Bad Bank”, die unter dem Namen “Jobcenter” firmiert. Man muss es nur gründlich zu Ende spinnen, dann macht alles Sinn.

Neue Zeiten – neue Bilder. Zehn Jahre nach Erfindung der Ich-AG sehen sich die abendländischen Regierungen in Tellerdreher gewandelt. Jede Krise ein Teller. Im Zirkus Deutschland dreht die Merklerin.

Sie dreht und dreht, derweil das Publikum in allen Logen der Welt Beifall klatscht. Rainer Brüderle macht uns den Clown, der lustige Ronald ruft “Applaus! Applaus!”, derweil Norbert Röttgen am Hochseil turnt. Von Ausstieg zum Ausstieg aus dem Ausstieg und zurück zum Ausstieg.

Vom Zirkus zum Märchen ist eine Entfernung vom Spalt einer Rasierklinge. Und mit Bildern aus der Märchenwelt kann ja wohl jeder etwas anfangen. Die Ich-AG zieht aus das Gruseln zu lernen, die Stadtmusikanten sind in einer Maßnahme auf Ein-Euro-Dreißig-Basis, die Verluste von “Hans im Glück” sind der Globalisierung geschuldet.

Gold gegen Pferd? – Egal. Hauptsache das Finanzamt kassiert mit.

111126 SchlaraffenlandNeulich Vorgestern ward mir wieder ein Projekt angeboten.

“Komm mit uns ins Schlaraffenland!”

DAS also wäre mein Job, hätte ich mich darauf eingelassen.

“… und überall fliegen gebratene Burger und Chicken Wings durch die Luft. Solltest du etwas davon fangen, werden wir es uns teilen.”

Wahrscheinlich “brüderlich”, ahne ich – das aber ist bereits der nächste Witz.


Nomen est omen

Auch sie kam regelmäßig zum Hundeplatz. Doch in den letzten Wochen trug sie ihren schwangeren Bauch vor sich her. Der ward – es schien, als könne man zugucken – größer und größer. Und vorige Woche geriet sie überfällig, weshalb sie auf dem Platz stets mit den Worten “isses immer noch nicht soweit?” begrüßt wurde.

Regelmäßig gab es auch jemanden, der mit “…uuund – was wird’s denn?” nachhakte. (Was wiederum für mich, an ihrer Stelle, einfach nur um der Eintönigkeit, der stets zu gebenden Antwort zu entfliehen, Grund genug wäre einige Schmonzetten zu liefern, wie: “Ich hoffe, es wird ein Mensch”)

Sie blieb stets geduldig.

“’s wird ein Junge.”

Worauf ihr der Automator die nächsten Fragen lieferte:

“Habter denn schon ä Nahm?” – “Isses denn dein erstes?”

Letzteres mit “ja” beantwortet und schon sieht man frau sich von zahlreichen unnützen Ratschlägen umzingelt. Auf dieses solle man achten, auf jenes und unbedingt … nicht … oder lieber … – Herr Rat und Frau Schlag aus Tschland bleiben in trauter Zweisamkeit zäh lebend.

Jedenfalls ist es nun soweit. Statt Frauchen erschien gestern Herrchen auf dem Hundeplatz, dessen Zugehörigkeit die Gesellschaft anhand eines Hundes namens Bela erkannte.

Der Neu-Vater gab bereitwillig Auskunft: Geworden ist es ein Knabe, der unmittelbar nach der Entbindung stolze 4.200 Gramm wog, weshalb bei Geburt ein Kaiserschnitt vonnöten. Er selbst konnte leider nicht dabei sein, obwohl er es gern so gehabt hätte. Aber er musste sich um den Hund kümmern.

Und: Der Junge heißt nun Bense.

“Bense?”

Habe ich mich auch nicht verhört? Bense – Wie Max Bense? Wie einer, der “in der Welt die Welt gegen sich gewähren zu ließ”? Wie der hochgeschätzte Rhetoriker aus Stuttgart, die “facettenreiche Persönlichkeit”, der Hochschullehrer und vieles mehr?

Nun bin ich es, der nachhakt:

“Er soll wohl später einmal ein Querdenker werden?”

“Wieso? – Achso? – Ach-Nee. Der Name kommt irgendwie [sic!] aus dem Ungarischen, wird dortzulande aber mit “c” geschrieben. Wir haben den nur eingedeutscht. Aber was es zu bedeuten hat, wissen wir nicht. Hauptsache er fängt mit “B” an.”

Nun entgleitet mir ein Joke …

“Aja – Wie Baul und Baula. Oder Babst?!”

.. und ich werde daraufhin prompt vom Vater belehrt:

“Paul schreibt man doch mit Peeh und nicht mit Beeh!”


Der Schweiß der Ämter

“Rhabarber-Rhabarber…”

Das freundlich-freundliche Gespräch neigt sich dem Ende. Schließlich sagt das Fräulein vom Amt:

“Fein! Dann müssen Sie nur noch einmal vorbeikommen, damit wir Ihren Personalausweis kopieren können. Wir müssen nämlich eine Kopie zu den Akten legen.”

Ich so:

“Ich habe doch schon einen neuen Ausweis, mit PIN, PUK. hinterlegtem Fingerabdruck und Foto mit biometrischem Gesichtsfeld.”

“Machen Sie sich keine Sorgen. Auch diese Ausweise lassen sich kopieren.”


Großes Kino auf dem Hundeplatz

Vor ihrer Abreise fand sie im Internet noch jenen Witz, in welchem sich ein Mann im Kreis seiner Kollegen über seine Frau beschwert.

“Meine Frau hält mich wie einen Hund.”

”Wieso? Gibt sie dir nicht ausreichend zu essen?”

“Nein. Aber sie will, dass ich ihr treu bin.”

Lustig oder nicht – Der Joke kann nicht als Gleichnis gelten, denn mit des Hundes Treue ist das so eine Sache.

Vor allem bei unkastrierten Rüden.

Asterix liebte (im Sinne von “umwarb”) einst Senta, wenige Tage später Emma, nach einer Woche eine gewisse Lena und schließlich wieder Senta – je nachdem, welche der Hündinnen sich gerade anschickt, läufig zu werden.

Auch gegenüber Herrchen ist hündische Treue insbesondere bei jungen Hunden eher erwünschte Legende. Rex, der unlängst aus Polen migrierte, schien anfangs sein neues Herrchen sehr zu lieben. Doch dieser musste ihn infolge einer Hausordnung, auf die sein Vermieter bestand, abgegeben. An ein anderes Herrchen, das ebenfalls den Hundeplatz frequentiert. Siehe da: Es dauerte nur knapp drei Wochen, bis der kleine Rex keine Beziehung zum alten Halter hatte, sich noch nicht einmal von ihm rufen lies.

Und alte Hunde lieben wohl eher die Gewohnheit als das, was dahintersteckt.

Hunde sind wie Menschen. Man kann es ständig auf dem Platz beobachten. Ich komme, sehe, gucke zu, derweil mein Großhirn das Geschehen nach Gleichnissen scannt. Gestern – zum Beispiel – lieferte es mir die Blechtrommel.

Oskar, Maria und das Brausepulver.

Donnerwetter – der Film ward 1:1 von Hunden nachgespielt. Live! Asterix in der Rolle des Oskar, Karla in der von Maria.

Hier – bitteschön – ein Auszug aus dem gestrigen Geschehen:

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Es ist oft Großes Kino, was auf dem Platz läuft.


Gedankenkram

Sie ist weg und mich überkommen wieder die ollen Textbausteine. Gedankenkram, Erinnerungen an Gelesenes von “damals”, fest verankert im Langzeitgedächtnis.

“Mörderische Wohltat: Meinen was man sagt, und von der eigenen Meinung zerrissen werden. Und die Freunde immer, die einem am wenigsten glauben, wenn man der Wahrheit am nächsten kommt.”

111122 CW Kein Ort NirgendsIch finde rasch das zugehörige Buch, auch den unterstrichenen Text und scanne weiter.

“Wenn ich die Welt teilen wollte, müsste ich die Axt an mich selber legen, mein Inneres spalten.”

Oh – ja! Klingt sogar marxistisch. Der Mensch erkennt sich selbst als Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse. Witzig wie doch ein Satz, wenn er völlig aus dem Zusammenhang gerissen, interpretierbar ist. “Marxistisch” – *schmunzel*

“… So wirken wir mit an der Aufteilung der Menschheit in Tätige und Denkende. Merken wir nicht, wie die Taten derer, die das Handeln an sich reißen, immer bedenklicher werden?”

Das war 1979. Geschrieben für einen Staat, gültig bleibend für einen alle anderen.

Um mich von aufdringlichen Gedanken abzulenken, guckte ich jetzt Fotos. Wer Witze sucht, ist heute hier falsch. Und – weiß ich auch – dieser einsame Tag wird ohne Fernseher zu Ende gehen.

Auchmalschön.


Brief an irgendein Finanzamt

(Auszug aus irgendeinem Rohentwurf)

So haben wir also gelernt, lernen müssen, dass das Recht auf Ihrer Seite ist. Was nach unserer Auffassung nicht unbedingt bedeutet, dass dies auch rechtens ist. Ob Sie wirklich eine richtige (im Sinne von gute) Entscheidungen getroffen haben, können Ihnen und uns erst die Nachunskommenden sagen, die eine Vergangenheit zu beurteilen haben.

Verwaltungsakte sind gemacht, die Ämter am Leben zu halten und nicht für Menschen, die fair miteinander interagieren wollen, nicht für die Gestaltung einer wahrhaft humanen Beziehung zwischen Mensch und Amt. …Und wirklich human ist nur diejenige Gesellschaftsformation, der es gelingt, Moral und Recht halbwegs in Einklang zu bringen. Oder die sich zumindest darum bemüht. Alles andere – was Sie uns von Amts wegen zu lesen nötigten – ist bestenfalls “Moralisieren über einen Status quo”.

Wenn schon dergestalt zu einer Zahlung gezwungen, der wir – selbstverständlich – nachkommen werden, dann dürfen wir doch bitteschön auch auf jene Gnade hoffen, die uns über eine über den Verwaltungsakt hinausgehende, alberne Belehrungen erspart.

Freundlich bleibend

XYZ


Sie hat eine Fahrkarte für den Zug nach Kiew

Für 125 Euro erworben bei der Deutschen Bahn AG.

Sonst – früher – genügte es, den Zugbegleitern 80 Euro (Einheitspreis) in die Hand zu drücken, um mitgenommen zu werden. Man konnte somit gegenüber einer gültigen Fahrkarte 45 Euro sparen, währenddessen hiermit der jeweilige Schaffner nicht nur sein kümmerliches Salär aufbesserte, sondern auch noch einiges Geld “andernorts” abzuliefern in der Lage war. Eine klassische Win-win-Situation.

Doch auf ihrer letzten Fahrt nach Kiew belief sich die Forderung der Begleiter überraschenderweise auf 200 Euro, dergestalt dass Lenchen gegenüber dem regulären Fahrpreis 75 Euro zuzahlte. Was im Übrigen ebenso für die Rückfahrt galt. Auch die Rückfahrgauner wollten 200 Euro fürs Mitnehmen.

In summa ergaben sich bei ihrer letzten Tour 150 Euro Verlust statt 90 Euro erspart.

Sie müssen “andernorts” so viel abgeben, dass ihnen von der eigentlichen Bestechung selbst nichts bleibe – so die Begründung für den Wucher.

Okay – dann diesmal also MIT Fahrkarte.

Hat auch etwas Beruhigendes – man weiß bereits vorher, wo man sitzen wird. Diesmal – jetzt im Augenblick des Postens – sitzt oder liegt sie im Wagen Nummer 278 auf Sitz 51, MADE IN GDR, hergestellt vom VEB Waggonbau Görlitz, lange-lange-lange vor der letzten Wende.

Wer das folgende Bild anklickt, gelangt auf einen unterhaltsamen Reisebericht -

111120 Zug in Lemberg

- unter dem Titel: “Mit Tempo 70 auf die Krim”.

Kurz nach Abreise handyfonierten wir kurz. Sie aus dem Zug heraus, ich vom Bahnsteig.

Inzwischen – so habe es ihr ihre Begleiterin erzählt – sei das Personal unbestechlich [sic!]. Es habe wohl in den letzten Monaten zahlreiche Kontrollen gegeben, woraufhin das Personal mehrmals ausgetauscht ward. Und überhaupt könne man sich nun als rechtschaffender Zugbegleiter nicht mehr sicher sein, ob derjenige Passagier, der Geld bietet, nicht ein verkappter Kontrolleur sei.

DESHALB seien sie lieber unbestechlich und so sei es gut, dass Lenchen mit Billet reise …

Es ist Gier, die jedes ukrainische Geschäftsmodell irgendwann platzen lässt. Der Krug geht so lange zum Wasser bis die Taube auf dem Dach überkocht – odersoähnlich.


Siri

“Ruf Lenchen an!”

“Welche Nummer soll ich anrufen “Lenchen Handy” oder “Lenchen privat”?”

Dabei betont Siri “Lenchen” nicht so, wie ich es ausspreche – “Leeen-chen” – sondern so, sie es selber liest, nämlich “Lennnchen”, was wiederum wie “Lämmchen” klingt. Was – deutsch-(russisch|ukrainisch)e Sonderheit – in einer Sprache zärtlich klingen mag, in einer anderen grob.

“Siri nennt dich баранина”, trage ich ihr zu.

Ihr Kommentar:

“DAS kann ich mir gut vorstellen – WAHRSCHEINLICH HAST DU ES IHR SO BEIGEBRACHT!”

Zickenkrieg und …

Kaum hat man eine zweite Frau im Haus, trägt der Mann die Schuld.


Rohrkrepierer

Es gibt unterschiedliche Technologien mit einem missglückten Witz umzugehen. Harald Schmidt kennt mindestens eine davon. Wenn das Publikum der Schmidt-Show nicht ausreichend lachen sollte, wiederholt Herr Schmidt den Rohrkrepierer erneut, mit anderen Worten oder als Running Gag, und siehe da: Die Zuschauer lachen dann doch, weil – so glaube ich, den Schmidtschen Trick durchschaut zu haben – sich unbewusst das Gefühl breit macht, ER könne vielleicht glauben, wer noch immer nicht lache, habe das Witzelchen nicht verstanden. So lacht schließlich der Saal, nur um zu signalisieren – Ja, auch wir haben es kapiert!

Es gibt Leute, die lachen aus diplomatischen Gründen, wegen der Aussicht auf ein Geschäft oder um sich einzuschmeicheln. So geriet ich eines Tages in die blöde Situation, zahlreiche Anekdötchen eines witzlosen Russen übersetzen zu müssen. Von einem “mit ohne Humor”. Sein deutsche Gesprächspartner klatschte sich ungeachtet aller abgestandener Inhalte regelmäßig auf die Schenkel, um zügellose Heiterkeit vorzutäuschen.

Das ging so lange gut, bis der deutsche Zuhörer an einer Stelle irrtümlicherweise glaubte, die Pointe stünde bereits auf der Matte -

“hi-hi, ha-ha, ho-ho!”

- doch sein Russe war noch lange nicht am Ende seines Witzes.

Dumm ist im Übrigen auch, wenn Publikum an den Lippen klebt, auf das Finale wartet, vorfreudig fast - auf eine Pointe, die bereits “raus” ist und dabei – sozusagen – unerkannt blieb.

Wie mir gestern geschehen.

Ich erzählte die Geschichte von Ida Gramow, einer Potsdamerin, die sich ihr Geburtsjahr und ihre Initialen auf dem Nummernschild ihres PKW anbringen ließ, dergestalt dass das Ergebnis – “P-IG 88” – immer wieder zu Fehlinterpretationen führt. <pointe> Nazischwein sei eine davon. </pointe>

Ich habe also fertig – doch sie blieben warten. Wobei mir das Fatale der Situation plötzlich klar war: Russlanddeutsche können nicht immer gut Englisch, wissen oft nicht, was PIG zu bedeuten hat oder was ein Schwein ist. Und eine “88” in derer braunen Symbolik, ist denen erst recht unklar.

Ein saublödes Gefühl: Der Witz ist bereits vom Stapel, derweil das Publikum auf die Flasche Sekt wartet, die am Rumpf zerschellen soll.

- Peinliches Schweigen -

So sagte ich:

Helmut Zerlett und Band!”

- und verließ den Raum.


Der Irrtum

Es gibt doch tatsächlich Leute, die sich eine Sekretärin halten, obwohl Frau Siri alles nahezu alles ihr diktierte fehlerfrei schreibt. Und <erfahrungswert> manchmal ist “selbst schreiben” gleich bedeutend mit “schneller schreiben”, zumindest wenn man mit der Sekretärin verheiratet ist. Bei “selbst schreiben” wird nämlich nicht alles zerquatscht. </erfahrungswert>

Man kann natürlich auch weiterhin web.de nutzen, es jedermanns Privatangelegenheit. Nur sollte man sich nicht wundern…

111117 Speicher

Man kann im Übrigen auch mit der Nase Holz hacken.

Meine Aussage hier im Journal –

“…Inzwischen ist nämlich die “Größe der Postfächer” der User geringstes Problem”

- nehme ich hiermit zurück.

Irrtümer sind oft gewaltig, können aber nie von Dauer sein.


Slawische Sonderheiten

Ukrainer sind orthodox im Glauben, dafür aber unorthodox im Handeln. Was sich insbesondere in deren Reklame zeigt. Eines Tages nannten einige pfiffige Ukrainer eine Sorte Wodka (“горілка”) schlicht und einfach “Weißbrot” (“батон”), dergestalt dass man an Reklametafeln des Landes den Ausruf “Mama, vergiss das Weißbrot nicht!” lesen konnte.

Ein ukrainischer Mobilfunk-Provider nennt sich “Jeans” und reklamiert “Am liebsten mag ich Jeans!”

111116 Kiew Reklame (3)

“Julia! – Nach Hause!” ist ebenfalls sehr einprägsam.

Wer ausreichend Geld hat, kann kleben was er will. Auch Botschaften, wie diese hier:

111116 Kiew Reklame (1)

“Achtes Gebot” – “Du sollst nicht stehlen!” – “Witalik, gib das Geld zurück!”

Unorthodox auch dieses Warnschild:

111116 Kiew Reklame (2)

Dies ist eine Einfahrt – Autos nicht abstellen! – Das gilt insbesondere für Abgeordnete, Diplomaten und Frauen! – Strafe: Ein Ziegelstein von der anderen Seite des Tores geworfen.

Darunter:

Das gilt ebenso für ochsenartige, blöde Kraftfahrer.


Wenn Märchen wahr werden

Was passiert eigentlich, sollten Figuren aus Märchen, Sagen und anderen Geschichtchen leben? Wer wären sie? Welche Partei würden sie wählen?

Beim Nikolaus scheint es einfach. Herr Genosse Niko Laus wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Parteivorstand der Linken. Als Teil der Doppelspitze, anstelle von Lafo, gemeinsam mit Sahra Wagenknecht.

Ilsebill, des Fischers Frau, könnte sich umbenannt haben. In “Deutsche Bank AG” und …

Myne Fru de Ilsebill
Will nich so, as ik wol will

… Rumpelstilzchen müsste theoretisch bei den Grünen sein.

Es trägt – zur Tarnung – ein Pseudonym, nennt sich – vielleicht – “Renate Künast”.

Anderes wäre weniger märchenhaft. Hänsel und Gretel bräuchten nämlich nicht ausgesetzt werden, denn derer Eltern sind in einer Maßnahme und eines der vielen Center kommt für Unterkunft und Verpflegung auf, ein anderes für Kindergeld. Die Hexe kann den beiden nicht begegnen. Was zwar im Prinzip langweilig wäre, aber:

Die Welt der Deutschen Märchen bliebe unterm Strich dennoch bunt wie eine Parteienlandschaft oder das Leben der Deutschen überhaupt. Unabgeschlossen zwar – doch jeder findet das seine. Sterntaler verlässt eine Arbeitsagentur, Dornröschen pennt vor laufendem Fernseher, die Räuber im Wald betreiben einen gefakten Internethandel oder machen auf Handyvertrag, nennen sich Talkline-Brüder. …

Nicht so in der Russischen Föderation.

111115 Ded MorosEs kann nur einen geben, lautet die Vorgabe in einem Kursker Kindergarten, daher wird Ded Moros (in Tschland besser bekannt als “Väterchen Frost”) – Stalins Frostopa – im Jahre 2012 zu einem Mitglied der Partei “Einiges Russland”, zu einem Anhänger Putins und gleichwohl zu einem einem Shulik oder Dieb.

DAS jedenfalls sollten Kinder malen und das beste von ihnen, erhält (oder erhielt) einen Preis.

Eines der Kinder bekam deutlich sichtbar Unterstützung aus dem Elternhaus. Die Mama lieferte der Vorgabe des Kindergartens einen Holperreim:

“Zum Neujahrsfest werden wir gemeinsam zu Einheitsrussen”, sagte der Bär. Und Ded Moros wurde tatsächlich zum Einheitsrussen.

Man kann das Bildchen (links rechts) anklicken, gelangt zu weiteren Bildern der Finalrunde und kann dadurch eine leise Ahnung von dem gewinnen, was uns zu erfahren noch bevorsteht: Die schöne Wassilissa ist nämlich in Wirklichkeit Putins neue Frau, Baba Jaga sitzt im Vorstand der KPRF und Michail Borissowitsch Chodorkowski ist ein zu recht verwunschener Bösewicht.


Klassentreffen

Die ersten Fotos trudeln ein.

“Da ich die Größe eurer Postfächer nicht kenne, schicke ich sie nicht mit einer email, sondern nach und nach.”

Gut dass wir uns selten sehen.

Ich, der zänkisch-besserwisserische alte Mann würde sie wohl mit Sprache – “E-Mail” schreibt man wie “U-Bahn” oder “S-Bahn” – und einem Vortrag über die Neuerungen des Internets nerven. Inzwischen ist nämlich die “Größe der Postfächer” der User geringstes Problem (Witzig, dass ausgerechnet die mit Größe im Namen, hierüber stolpern).

Schließlich finde ich auch die notwendige Zeit, Fotos zu gucken. Darunter ein erster Grabstein. Name, Vorname – Geburtstag – Todestag – wie immer und überall. Gibt es eigentlich – frage ich mich nun – Vorschriften für den Text der Steine? Kann man sich was wünschen?

Ich zum Beispiel hätte gern als Text drei Einwortsätze:

“Starb. Ja! Und?”

A bisselwas zum Selberdenken.

111114 GrabsteinUnd – wennschon-dennschon – wünsche ich mir meinen Namen in kyrillischen Buchstaben. Plus Geburtsdatum, das aber nur[sic!], wenn ich besonders alt geworden sein sollte. Also erst bei einem Tod in den Jahren 2048 oder später. Davor – wenn jedermann so alt werden kann, wie ich wurde – isses witzlos.

Auch wünsche ich mir ein kleines unaufdringliches Schildchen aus Bronze:

“Nähere Informationen finden Sie unter asolf.wordpress.com.”

111114 QR-CodeBesser wäre allerdings ein angebrachter QR-Code, damit die Leute noch auf dem Friedhof, gleich am Pad, lesen können, wie und wann der Alte starb. Und wenn ja – warum. Mit diversen Links auf die Wikipedia, weil schließlich nicht jeder Friedhofgänger die immer komplizierter werdende Sprache des Sonderlings kapiert.

Auf der Rückseite allem zum Trotz ein Slogan, wie:

“Angenehm anders – Andreas Solf”

(Wobei nur der mich gekannt hat, die Ironie versteht.)

Soviel zum Normalfall.

Bei Unfall hoffe ich auf Lenchens Fantasie – sie hat inzwischen alle Vollmacht.

“Er war oft ein guter Ehemann, manchmal ein guter Vater, aber definitiv ein schlechter Elektriker.”

Laut lachen

So sitze ich zynisch und kann nicht anders.

* * *

UND DOCH werde ich schließlich beim Redigieren ernst.

Stelle fest:

Jede alternde Generation hat für bestimmte Lebensjahrzehnte gewisse Symbole, mit denen man sich gern identifiziert. Aus Enkelkinderfotoalben werden Grabsteine. Das Unvermeidliche tritt eisern ein.


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