Er ist heute - wie an jedem anderen 23.Februar auch - russich-weißrussisch-ukrainischer Männertag.
Pathos, Kitsch, Schwulst, ebenso wie Alkohol, charakterisieren dies jährlich wiederkehrende Ereignis.
Heldengeschwafel auch im russischen TV. Man nähert lügt sich der Vergangenheit entgegen, mit Filmen wie “Wir aus der Zukunft”, und so scheint alles beim Alten zu bleiben.
Vier junge Männern verdienen sich diesertage ihren Unterhalt mit jenem Kriegszeug, dass sie auf ehemaligen Schlachtfeldern finden. Eines Tages geschieht etwas Ungewöhnliches: Im zerfledderten Tagebuch eines vor etwa 70 Jahren getöteten Rotarmisten finden die vier Marodeure sowjetische Soldatenausweise mit ihren eigenen Namen und sogar mit ihren Fotos.
Um sich vom Schock zu erholen, gehen sie schwimmen – und tauchen im Jahre 1942 wieder auf, mitten im Großen Vaterländischen Heldenkrieg.
Also dieser Back-To-The-Future-Film wurde gestern von RTR gesendet, in Vorbereitung der heute in Rußland stattfinden Feierlichkeiten. (
http://m-i-b.ru/
)
Ich hatte meinen Mac auf dem Schoß, sie ein Gläsel Rotwein auf dem Beistelltisch und ein Buch in der Hand, unser Fernseher lief im Hintergrund, mehr als Geräuschkulisse. Doch aus dem Gerät hörten wir plötzlich deutsche Soldaten winseln, in sauberem Deutsch, also – so schien es – von echten Deutschen gesprochen. Ohne fremdlänischen Akzent, dafür aber mit weinerlichen Stimmen.
“Hier regnet es immer nur, meine Zigaretten sind ganz naß geworden, nun kann ich mir keine mehr anzünden.”
Oder:
“Immer dürfen nur die Offiziere im Warmen sitzen, wir Soldaten aber, müssen im Kalten frieren.”
Diese Jammerlappen! Diese Winselheinis! Diese Faschisten!
Es ist Ende August 1942, an der Front vor Leningrad. Hier und jetzt (August 1942!) beginnt die Offensive der Roten Armee, der im Schnitt jeweils eine einzige Rotarmistensalve reicht, um mindestens acht Faschisten zu erledigen, denen ihrerseits natürlich nichts anderes bleibt, als zu sterben oder zu türmen.
Man sitzt vor dem Monitor, sieht sich solche Filme an und überlegt doch tatsächlich für ein Moment, warum diese ruhmreiche Armee nicht bereits im August 42 bis nach Berlin durchgeballert ist. Dieser scheußliche Krieg hätte bereits Weihnachten 42 beendet sein können und alle wären rechtzeitig zurück, um am 8. März ihren Frauen in der Heimat Blumen zu überreichen.
Spät am Abend fällt mir ein, dass die sowjetischen (und nun auch die russländischen) Kriegsfilme sehr gut mit dem Prahlen der Männer in den Kneipen nach erlebtem Sex zu vergleichen ist. Nach jeder Erzählung unter Alkohol wird der Penis so dick, so groß und so ausdauernd wie die ruhmreiche Rote Armee.
Doch die Nation der Loser sollte sich trotz alledem das Lachen verkneifen.
